Sonntag, 15. Januar 2017

Familienpizza am Sonntag

Bei unserem zweiten Weihnachtsfest am 26. Dezember im Haus von Michaels Eltern hatte Michaels Schwester sein Geschenk zu Hause vergessen. Grund dafür war, dass ihrem Mann das große Paket in der Nähe der Eingangstür, wo es wahrscheinlich nicht vergessen worden wäre, wohl im Weg gestanden war und er es an einen anderen Platz geräumt hatte. Michael hatte vollstes Verständnis, kennt er die Situation doch nur allzu gut, nur dass es bei uns umgekehrt ist. Ich kann es nicht leiden, wenn Dinge herumstehen, wo sie nicht hingehören, vor allem dort, wo der Platz ohnehin begrenzt ist, also bin ich ständig am weg- und herumräumen, was Michael bestimmt mindestens so auf die Nerven geht, wie mich die Unordnung wahnsinnig macht.

Das vergessene Geschenk wiederum war tatsächlich ein Glücksfall, so konnten wir die Geschenksübergabe in das neue Jahr verlegen und sie gleich mit einem Essen bei uns verbinden. Isabellas Geschenk an Michael war nämlich ein Miniatur-Pizzaofen für den Tisch, nicht etwas, das wir uns selbst gekauft hätten, aber es stellte sich heraus, dass die "Pizzerette" in einer größeren Runde und vor allem mit Kindern mindestens genauso viel Spaß macht wie ein Fonduetopf oder ein Raclette, als das man den Pizzaofen übrigens auch verwenden kann.

Bei der Tischdekoration fragte ich mich, wie man das Thema Pizzaofen verarbeiten kann, ohne auf bunte Papierservietten, rotes Karo und italienische Fähnchen zurückgreifen zu müssen. Da fiel mir ein, dass wir zwar, auf mein Drängen hin, die Krippenfiguren, aber, dank Michaels, na nennen wir es Gelassenheit, noch nicht die Krippe und ihre Ersatzteile weggeräumt hatten. In einem Säckchen fand ich noch rohe Dachziegel, die übriggeblieben waren, als Michael vor Weihnachten einige der Ziegel mit Ockerpigmenten, die er, als wir im Sommer im Ockerdorf Roussillon in der Vaucluse Halt gemacht hatten, in einem Malerbedarfsgeschäft gekauft hatte, sowie Ockererde, die ich vom Parkplatz mitgehen hatte lassen, kurz bevor wir Roussillon verließen, bearbeitet hatte. Ein Pizzaofen wird ja bekanntlich auch aus Ziegeln gebaut, also her mit den kleinen Ziegeln und auf die einfachen weißen Stoffserviette damit!





Michael hatte den Pizzateig bereits zwei Tage vorher angesetzt, 24 Stunden bei Raumtemperatur gehen lassen und dann im Kühlschrank kalt fermentiert. Klingt kompliziert, stellte sich aber als der beste Pizzateig heraus, den wir je selbst gemacht hatten und auch die Gäste waren dieser Meinung. Mit den Fingerknöcheln wurde dann die Teigkugeln ein wenig auseinandergezogen und hatten damit die richtige Größe für die kleinen runden Schaufeln, die dann gleich am Tisch in den Pizzaofen geschoben werden.

Als Belag hatten wir zur Pizzaiola, der Paradeissauce, Kochschinken und Rohschinken zur Auswahl, dazu entweder Mozzarella oder etwas härterer Gruyère, Champignons, rote Oliven und für eine Pizza norvégienne Räucherlachs und Créme fraîche.




Im kleinen Pizzaofen sind die Minipizzen rasch fertig und aufgrund der Größe kann man drei bis vier, vielleicht sogar fünf, verschiedene Varianten probieren, ohne sich zu überessen. Kurt, mein Schwager, gestand nach dem Essen, sich nicht zu viel von einer "hausgemachten" Pizza, und schon gar nicht von dem "Gerät", das seine Frau gekauft hatte (deshalb vielleicht auch das Wegräumen der Schachtel, nicht lediglich aus Platzgründen ...), erwartet hatte, aber er war positiv überrascht worden. Michaels perfekt aufgehender Pizzateig, zusammen mit den qualitativ hochwertigen Belägen hatten ihn überzeugt, dem "kleinen Ofen" eine genauso gute Kritik zu geben wie dem "richtigen" seines langjährigen Freundes Aldo in dessen Pizzeria, der, vor Jahrzehnten, ersten und immer noch existierenden Pizzeria in Kurts Heimatstadt Steyr. Das verstehe ich als Kompliment!

Zur Pizza tranken wir zwei Flaschen des Barbera 2015, den wir im Sommer von Bruno im "Agroturismo Il Tiglio" im Piemont mitgenommen hatten. Bruno behielt recht, denn er hatte gemeint "perfetto con Pizza".


Donnerstag, 12. Januar 2017

Donnerstagabend mit Käsefondue

Von einer Geschäftsreise an die schweizerisch-französische Grenze hat mein Mann Anfang der Woche nicht nur zu meiner großen Freude zartschmelzende Schokoladentrüffel von Beschle, sondern auch Schweizer Fonduekäse mitgebracht. Das eisige Wetter mit Schnee und bis zu -13 Grad in der Früh der letzten Tage hat sich ohnehin angeboten, einmal ein etwas deftigeres Abendessen aufzutischen, so haben wir heute den Fonduetopf herausgeholt, Schwarzbrot, Laugenstangerl und Baguette geschnitten und den Käse mit Schalotten, Knoblauch, Muskatnuss (Herr Müller!), Riesling und einem Spritzer Zitronensaft geschmolzen.






Es gab eine Zeit, als ich die Bücher von Elizabeth Arnim förmlich verschlungen habe, eines davon war "Ein Chalet in den Bergen". Ich weiß nicht, ob es nur eine romantische Vorstellung von mir ist, aber ich träume seit Jahren davon, Silvester oder ein paar Tage im Jänner mit guten Freunden in einer Hütte in den Bergen zu verbringen. Das Wort "Hütte" mag vielleicht eine Untertreibung sein, denn ich denke an jede Menge Schnee, ein großes Holzhaus, ein Kaminfeuer, viele Wolldecken und Schaffelle, ein duftendes Zirbenbett mit dicken Daunendecken, am besten auch eine Infrarotsauna und einen Hot Tub, einen großen hölzernen Esstisch und natürlich jede Menge gutes Essen, darunter auf jeden Fall Käsefondue. Wenn meine Fantasie ganz mit mir durchgeht, sehe ich auch einen Pferdeschlitten und Fackeln, die einem den Weg in der Nacht leuchten. Tja, was kann man da machen ...

Ein gemütliches Käsefondue  mit einem Glas Riesling ist der erste Schritt zu einem Urlaub in den Bergen, der in den nächsten Jahren aber sicher einmal in die Wirklichkeit umgesetzt wird. Und sowohl in der Schweiz, als auch in Südtirol oder Frankreich, und somit auch hier im Weinviertel, musste nach einem doch recht schweren Essen ein Schnaps her, für Michael klarer Apfel, für mich Zirbe. So kann das eisige Wetter ruhig noch ein wenig anhalten.



Freitag, 6. Januar 2017

Dreikönig und ein Liebäugeln mit dem Frühling

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber wenn Weihnachten vorbei ist, ist mir immer danach, sofort die gesamte Weihnachtsdekoration wegzuräumen und den Frühling in unser Haus einziehen zu lassen. Ich liebe Weihnachten und ich koste es jedes Jahr aus, dieses Jahr hatten wir so viele weihnachtliche Arrangements und Zusammenkünfte wie noch nie, aber wenn die Feiertage vorüber sind, möchte ich mit Neujahr auch einen Neubeginn. Wenn es nach mir ginge, würden jetzt bald die Temperaturen steigen und die Krokusse und Tulpen aufblühen. Mein in solchen Dingen sehr am Boden der Tatsachen lebender Mann hat dazu gemeint, es sei noch nicht einmal Dreikönig und jetzt finge die gemütliche Winterzeit doch erst an. Bald würde endlich mehr Schnee kommen, die Temperaturen so richtig fallen, wie es sich für Jänner gehört, und man könne draußen bei klirrender Kälte und Wintersonnenschein warm eingepackt, vielleicht sogar abends an der Feuerschale auf der Terrasse, oder in Ruhe vor dem prasselnden Kaminfeuer, den richtigen Winter genießen. Ich schaudere bei diesem Gedanken eher und denke an mindestens zwei weitere kalte, nasse und graue Monaten, und keiner kerzen- und glühweingeschwängerten Adventzeit mit Aussicht auf Weihnachten, an die man sich halten kann. So gibt es nur die Aussicht auf den Frühling, so weit weg er noch sein mag.

Ich bin keine Skifahrerin, aber das einzige was mich jetzt noch am Winter reizen könnte, wäre ihn in einem, natürlich gut ausgestattetem, Chalet in den vorzugsweise italienischen oder französischen Alpen, umgeben von nichts außer Schnee und ein paar Wildtieren, zu verbringen. Nachdem das leider nicht möglich ist, muss das Chalet zu uns nach Hause kommen, in Form von ein bisschen Holz, Kerzenlicht und Eislaufschuhen. Die beiden Krokusse aus Porzellan, die schon einen Hauch von Frühling verbreiten, mussten trotzdem einfach sein.




Der Dreikönigstag stand, wie jedes Jahr, im Zeichen der marokkanische Küche. Die drei Weisen aus dem Morgenland verleiten uns immer wieder dazu, uns an unsere Hochzeitsreise zu den Königsstädten und der "weißen Stadt" Essaouira, zu erinnern, die Tajine von den Küchenkästen und das marokkanische Kochbuch aus dem Bücherregal zu holen. Es ergab sich nun auch schon zum dritten Mal in Folge, dass wir am 6. Jänner die gleichen Freunde zum Essen einluden, und ich denke bei drei Mal kann man jetzt schon von einer Tradition sprechen, ebenso was die Suppe betrifft, die jedes Jahr Chorba B'Khizou Bil Kseksou, Karottensuppe mit Gewürzen, nämlich einer meiner Lieblingskombinationen Kurkuma, Ingwer, Zimt, Paprikapulver, Cayennepfeffer und vor allem Kreuzkümmel, war - ein Klassiker, den man meiner Meinung nach nicht wechseln muss.




Nach Rindfleischtajine mit Äpfeln und Rosinen im letzten Jahr, gab es heuer eine Lammtajine mit Datteln, Zitronen und Mandeln, dazu Cous Cous. Vor allem Zitronen und Mandeln lassen bei mir sofort jegliche Düsterkeit des Winters verfliegen und versetzen mich geschmacklich in sommerlich warme, herrlich duftende Gefilde, es hätte also kein besseres Gericht an solch einem Tag geben können. Durch die Kombination von zartem Lammfleisch und den süßen Datteln erinnerte mich der Saft der Tajine sogar ein wenig an zerlassene Schokolade, die bei grauem Wetter ja schließlich auch die Seele streichelt.




Das Dessert war vielleicht nicht typisch marokkanisch, die saftigen kleinen Orangenkuchen aus der Muffinform passten aber perfekt in das Ensemble. Auch wenn Orangen für mich zum Winter gehören, denkt man doch, wie bei den Zitronen, gleich an die heißen, südlichen Länder, in denen sie wachsen und an den wundervollen Geruch der Blüten der Bäume im Frühling. Mit Salzkaramell, von dem wir noch etwas von Weihnachten übrig hatten, besprenkelt, bekamen die Küchlein zum Schluss noch eine französische Note.





Donnerstag, 5. Januar 2017

Grüne Weihnachten

Etwa eine Woche vor Weihnachten trafen wir Freunde zu einem Spaziergang, um uns und die Kinder "auszulüften". Wir sprachen darüber, dass die Wetterexperten diesmal weiße Weihnachten für nicht ganz unwahrscheinlich hielten, im Gegensatz zum vorigen Jahr, in dem es rund um den 24. Dezember achtzehn Grad hatte. Nun, es blieb kalt, ich hatte Hoffnung bis zuletzt, aber kein Schnee kam.

Egal wie die Wetterlage draußen sein mag, in unserem Haus gibt es, dank meiner sicher bekannten Vorliebe für alle Schattierungen dieser Farbe, fast immer grüne Weihnachten. Kleinen Kindern wird nachgesagt, auf kräftige, satte Farben zu reagieren, also entschieden wir uns, Philipp zuliebe, für einen Christbaum in Rot. Nun zählte rot noch nie zu meinen bevorzugten Farben und ich war mir nicht einmal sicher, wie und wann eine rote Christbaumdekoration überhaupt je in meinen Besitz gekommen war. Ich vermute, dass sie noch von meiner Mutter stammt und auch meine Großmutter, deren Lieblingsfarbe rot (und violett) ist, damals vielleicht ihren Einfluss geltend gemacht hat - ein "ordentlicher" Christbaum ist rot!

Nun war ich also zähneknirschend unterwegs, unsere "rote Kollektion" eventuell mit etwas Neuem, ein wenig weniger Klassischem, etwa so wie der London Bus oder der Beefeater, die ich schon vor Jahren als Christbaumanhänger der Sammlung zugeführt habe, zu erweitern - ohne Erfolg. Lauter langweilige Kugeln in knalligem Rot, mein Albtraum! Ich gab auf und sah mich nach weihnachtlichem Geschenkpapier um, und da war die Inspiration - Papier in einem eleganten, dunklem Rot, gepaart mit einem satten Mint! Mint! Natürlich! Wie könnte es anders sein! So wurde unser Weihnachtsbaum rot für Philipp und die Großmutter, und dunkles Mint für mich.

Bei der Weihnachtstafel hatte ich nie an rot gedacht. Ich besitze auch wirklich keine roten Teller oder Tischaccessoires, nicht einmal rote Kerzen. Es gibt ein kleines rotes Schwedenhaus, das die Tage bis Weihnachten herunterzählt, am Fenster und der ebenfalls schwedische Julbock hat ein rotes Band an seinem Schweif, aber das war es auch schon. Dafür finden sich in meinen Vitrinen jede Menge Porzellan, Glas und Keramik in Grüntönen, neuerdings sehr viel in, oh Wunder, mint.




Endlich kamen meine heißgeliebten Fundstücke, Suppenteller mit mintfarbenem Rand und Blumenranken, dort wo die Suppe eingegossen wird, aus dem Trödelladen in Quillan im Languedoc zu Pfingsten, und Speiseteller mit ähnlichem Rand und Monogramm aus L'Isle sur la Sorgue im Sommer, gemeinsam zum Einsatz. Sowohl meine Schwiegermutter, die in Sachen Tischdekoration, feinem Porzellan, poliertem Silberbesteck und Stoffservietten in der richtigen Stärke ohnehin die Königin ist, als auch meine Großmutter, die glaubte, es handle sich um ein zusammengehöriges Set und sich wirklich an die alten Goldrandteller erinnert fühlte, fanden lobende Worte, die wohl auch gefallen wären, hätte ich nicht auf die Herkunft der Teller hingewiesen und ihre Geschichte detailliert allen erzählt, die es und auch jenen, die es nicht interessierte ...

Auf der Menükarte stand als erstes Parmesansuppe nach Art von L'Ami Jean aus Mimi Thorissons Buch "Das beste aus meiner französische Küche", die laut Michael beim Verkosten nur nach Obers, am Tisch aber dann über die Croutons, Schalotten, den Schnittlauch und den Speck gegossen, ganz fabelhaft schmeckte.



Der Hauptgang bestand, alle Jahre wieder, aus Wild. Letztes Jahr, als es zu Weihnachten Hirsch gegeben hat, haben wir uns vorgenommen, im nächsten Jahr nicht nur zu Weihnachten Wild zu essen, sondern sehr viel öfter. Das haben wir heuer auch getan, und trotzdem war das weihnachtliche Reh am 24. Dezember etwas ganz besonderes, wie es butterzart auf der Zunge zerging. Dazu gab es karamellisierte Äpfel mit Walnüsse und selbstgemachte Gnocchi in Salbeibutter.


Das Dessert hatten wir uns wieder aus dem Repertoire von Mimi Thorisson geliehen. Weil bei der Vanillecreme mit salzigem Butterkaramell nur die Eidotter gebraucht wurden, habe ich aus dem Eiklar noch schnell eine Schokolademeringue als Kleinigkeit zur Creme gebacken. Ein salzig-süßer Abschluss für ein gelungenes Weihnachtsmenü, wir haben es alle bedauert, als es vorbei war ...




Montag, 7. November 2016

Maroni, Cranberries und antike Espressotassen


Seitdem unser Sohn Philipp bei uns ist, habe ich vielleicht weniger Zeit für meinen Blog, und eigentlich auch weniger Zeit zu kochen und zu genießen, vor allem in Ruhe zu kochen und zu genießen, weil Philipp den größten Teil meiner Aufmerksamkeit auf sich zieht, aber ich denke, ich koche und genieße bewusster. Bei Philipp daheim zu sein, erlaubt mir, nicht nur hin und wieder, wenn ich frei habe, sondern jeden Freitag auf den Markt in der nächsten Stadt zu gehen, mit der Betonung auf "gehen". Was ich früher mit dem Rad gemacht habe, weil man am Markttag sowieso keinen Autoparkplatz bekommt, geht jetzt mit dem Kinderwagen vielleicht nicht ganz so schnell, aber wir sind in Bewegung. Das einzige, das uns jetzt dazwischen funken kann, ist das Wetter. Dank des Regenschutzes für den Kinderwagen sollte auch das uns nicht aufhalten - es macht nur einfach nicht so viel Spaß.
 
Am Markt gibt es derzeit eine große Auswahl an "Breizutaten", die den Erwachsenen auch schmecken. So bekommt Philipp seine Pastinaken, Butternusskürbisse, Hokkaidos, Fenchel, Topinambur, Karotten und Kohlrabi, gedünstet und püriert, und Äpfel und Birnen in Form von Mus. Für die Großen gibt es, für mich ganz wichtig, Salz dazu und das Gemüse und Obst bleibt auch mal ganz (und roh ...).
 
Weitere meiner Favoriten im Spätherbst sind außerdem Cranberries und Maroni. Sie sind nicht wie Spargel oder Kürbis, denen ich schon lange bevor sie auf den Markt kommen entgegenfiebere, sie sind einfach plötzlich da und ich erinnere mich, wie gut sie im letzten Jahr waren und freue mich spontan.



 
Die passenden Rezepte für beide Zutaten haben wir am Sonntag zur Geburtstagsfeier meines Schwiegervaters ausprobiert. Es gab eine Maronen-Velouté, eine ganz dicke, samtige Suppe, die durch Zwiebel und Lauch ein bisschen Frische bekommt, gefolgt von einer Ente, die im Original im Frühjahr mit Kirschen gemacht wird, wir haben sie allerdings mit Cranberries serviert. Eine zweite Beilage waren die Rosmarin-Erdäpfelknödel nach einem Rezept meiner Schwiegermutter, ohne Mehl, nur mit Grieß und Maisstärke, und wir konnte noch etwas von unserem wuchernden Rosmarinbusch verarbeiten.
 



 
 
Was ich mir außerdem nicht nehmen lasse, auch wenn dafür eigentlich genauso wenig die Zeit habe, ist, auf einen schön gedeckten Tisch wert zu legen. Philipp soll ja auch Tischmanieren und das Gespür für schöne und genussvolle Dinge von uns lernen. Guten Appetit und Lust am Essen legt er bereits an den Tag. Er isst beinahe alles, außer Brokkoli, aber der schmeckt mir auch nicht sonderlich, genießt seine Mahlzeiten und kann meist gar nicht genug bekommen.
 
Die Maronenvelouté gestern wurde in meiner Sammlung aus alten Espressotassen, alle, wie könnte es anders sein, in grün gehalten - ein paar mintfarbene, oh Wunder,  hätte ich auch noch, aber die passten gestern nicht zur Tischdekoration, angerichtet. Sie sind vielseitig einsetzbar, ich habe auch schon öfter Mousse au chocolat darin serviert, und ich liebe sie einfach, meine in vielen Jahren zusammengetragenen Schätze. Es ist doch einfach viel aufregender, immer wieder auf ein Fundstück zu stoßen und sich zu freuen, als gleich ein fertiges Set zu erstehen ...
 





Dienstag, 18. Oktober 2016

Pilze drinnen und draußen


Nach einem herrlichen Sommer ist der heurige Herbst für mich, zumindest wettermäßig, eine herbe Enttäuschung. Statt goldenem Licht, angenehmer Wärme und farbenfrohen Blättern, auf die ich mich schon gefreut habe, gibt es heuer mehr Nebel, Kälte, Regen und dafür aber auch sehr viele Grauschattierungen, die auch etwas für sich haben. Was diesen Herbst allerdings besonders macht, ist, dass ich meine Waldspaziergänge heuer zum ersten Mal gemeinsam mit dem kleinen Philipp machen kann. Mit gerade Mal zehn Monaten konnten wir ihm die bizarren Holzstämme, an denen sich unzählige rotbraune Pilze fröhlich angesiedelt hatten, noch nicht aus der Nähe zeigen, weil er wahrscheinlich daran gezogen und sie dann in den Mund gesteckt hätte, aber zu einer Dekorationsidee für Zuhause habe ich mich allemal inspirieren lassen.



 
 
Die Pilze, die, neben Zierkohl und einem anderen Laubgewächs in alten Suppenterrinen, zuerst aus kleinen Holzstämmen auf einer länglichen Silberschale wuchsen, siedelten nun in eine Glasschale mit rostfarbenem Gitterdeckel. Im Wald habe ich auch herrliche Baumrinden entdeckt, die praktischerweise gleich im Stauraum des Kinderwagens gelandet sind, und sich gut um die Glasschale machen. Da riecht man fast den modrigen Geruch des Waldbodens ...

Herbstgräser und eine wärmende Pastilla

Heute morgen bin ich, wieso auch immer, um halb sieben  Uhr aufgewacht. Schon am Vorabend habe ich darüber nachgedacht, ob ich nicht eine morgendliche Nordic Walking-Runde starten sollte. Oft wenn ich morgens mit dem Auto ins Büro fahre und Menschen am Wegrand und auf den Feldern laufen oder walken sehe, denke ich mir jedes Mal - das nächste Mal wenn du frei hast, machst du das auch. Bis jetzt war das Wunschdenken und ich bin stattdessen lieber im gemütlichen Bett liegen geblieben, aber heute war ich dann so munter, dass ich es doch angegangen bin. Und es hat sich gelohnt. Es war der perfekte Frühherbstmorgen, die Sonne ging über den Weinbergen auf, es gab nur wenige, hübsch formierte Wolken, die schon verblühten Sonnenblumen glänzten fast schwarz im Sonnenlicht, das Gras war noch feucht und die Luft einfach herrlich. Zum Abschluss meiner etwas mehr als einstündigen Runde habe ich noch ein paar bunte Gräser, Getreide und seltsame braune Schoten, die mir noch nie vorher aufgefallen sind, gesammelt, die mich jetzt in der alten Milchkanne an meinen Spaziergang erinnern und sich in die bestehende Herbstdekoration am Esstisch einreihen. Obwohl lange zu schlafen natürlich auch etwas für sich hat, solche morgendliche Touren muss ich unbedingt öfter machen!


 


 
Zum Essen gab es heute etwas herbstlich Wärmendes aus Marokko. Auf unserer Hochzeitsreise in die Königsstädte Marokkos haben wir zum ersten Mal Pastilla gegessen, einen halb pikanten, halb süßen Kuchen aus Hühnerfleisch, Mandeln, die mit Orangenblütenwasser, Zimt und Zucker zubereitet werden, Zwiebeln, Eiern, Butter, Olivenöl, Petersilie und jeder Menge von mir sehr geliebten Gewürzen, nämlich Safran, Ingwer, Zimt, Muskatnuss (Herr Müller!) und der Gewürzmischung Ras-el-Hanout, die eigentlich "Hausmischung" bedeutet und bei uns aus Koriander, Kreuzkümmel, Kardamom, Zimt, schwarzem Pfeffer, Anis, Chili, Kurkuma, edelsüßem Paprika, Ingwer, Knoblauch, Nelken, Sternanis, wieder Muskatnuss (Herr Müller!), Rosenblütenblättern, Schwarzkümmel, Lavendelblüten und Paradieskörner - was für ein Name! - besteht. Schon beim Aufzählen läuft mir wieder das Wasser im Mund zusammen.
 
Nachdem ich ein Rezept für Pastilla entdeckt hatte, habe ich sie mir von meinem Chefkoch Michael als "Samstagsmahl" bestellt. Samstagsmahl deswegen, weil wir uns am Wochenende angewöhnt haben, spät und ausgiebig zu frühstücken, nachmittags irgendwann zwischen zwei und fünf Uhr, wenn es uns gerade passt, die "Hauptmahlzeit" und abends, wenn überhaupt, nur mehr eine Kleinigkeit zu essen. Schon während des Kochens konnte ich es kaum erwarten, die Pastilla auf meinem Teller, oder eigentlich in meinem Mund zu haben. Der Geruch des gebratenen Huhns mit all den Gewürzen, die blanchierten Mandeln - einfach eine wundervolle und raffinierte pikant-süße Kombination, die dank der Gewürze auch schon ein bisschen Vorfreude auf Weihnachten macht. Aber daran möchte ich eigentlich noch nicht denken, erst genieße ich noch den Herbst!