Dienstag, 31. Oktober 2017

Vorbereitungen für Halloween


Wie schon in den letzten Jahren kam auch heuer wieder mein Patenkind Lena zum Herbstbasteln zu uns. Für Sonntag war ein orkanartiger Sturm mit Spitzen bis zu 120 km/h angekündigt worden, eigentlich das ideale Wetter um drinnen, geschützt im Warmen, an Halloweendekoration zu basteln. Während der Sturm draußen tobte, die Äste sich in alle Richtungen bogen und unsere Steinterrasse innerhalb kürzester Zeit unter einer nassen Blätterdecke verschwand, bemalten wir Birkenscheiben mit herbstlich-gruseligen Motiven. Lena ist eine Freundin der Krähen, sie spricht, oder besser gesagt kräht, auch regelmäßig mit ihnen und fand somit die Schablone in Form eines Vogels nicht schrecklich genug. Lena zeichnet ausserdem, im Gegensatz zu mir, die keinerlei Talent hat und vollkommen auf Schablonen angewiesen ist, sehr gut und skizzierte, unglaublich für mich, frei Hand einfach ein Skelett. Das Skelett wird bestimmt der Höhepunkt unserer Halloweenparty dieses Jahr.




Michael versuchte sich währenddessen zum ersten Mal in einer neuen handwerklichen Tätigkeit. Wir wissen nicht genau wann, aber wir nehmen an passenderweise während der letzten Halloweenparty, ist das Geflecht natürlich der Sitzfläche eines unserer "Ersatzsessel", die auf größere Gesellschaft wartend ein Schattendasein in unserem Keller fristen, buchstäblich aus dem Rahmen gefallen. Nun brauchen wir für die diesjährige Party einen "sitzfesten" Sessel und Michael entschloss sich, die Sache, nachdem ein professioneller Restaurator leider offensichtlich daran gescheitert war, selbst in die Hand zu nehmen. Noch im August waren wir in einem herrlichen Laden, Dieroff Naturwaren  im 7. Bezirk, um das Flechtwerk aus Peddigrohr zu besorgen. Ich konnte mich an den vielen Rollen aus Rattan, Peddigrohr, Sisal, Bast, Jute, Kokos, Baumwolle und Manilafaser gar nicht sattsehen. Am liebsten haette ich alles angegriffen und gleich mitgenommen. Solche Geschäfte sind es, die ich liebe.
Das Qualitäts-Peddigrohr war es, das schließlich mit nach Hause kam. Ich bewundere Michael für seine Fingerfertigkeit und Geduld, die ich nie aufbringen könnte. Unzählige dünne Rohre müssen in einem langwierigen Muster durch den zuerst gefertigten Rahmen gewebt werden - für mich ein Alptraum, Michael sieht es als meditative Übung. Hut ab! Derjenige, der heute Abend auf dem fertiggestellten Sessel sitzen darf, kann sich fühlen wie ein König!

  




Während wir alle so vor uns hin arbeiteten, kam plötzlich fast grell die Sonne hinter den Wolken hervor. Der Wind blies immer noch heftig, aber er schien die dunkelgrauen Wolken vertrieben und Platz für strahlendes Licht gemacht zu haben, ideal um unsere schaurig-schönen Werke zu beleuchten. Ich kann gar nicht darauf warten, sie heute Abend bei unserer Tischdekoration einzusetzen. Vielen Dank liebe Lena, du bist großartig und es macht so viel Spaß, mit dir kreativ zu sein!   









Dienstag, 24. Oktober 2017

Was bleibt, ist puderfarben

Ich bin, denke ich, eigentlich ein recht verlässlicher Mensch, und trotzdem zeigt mir das Leben immer wieder, dass man nichts wirklich planen, und nie sicher sein kann, dass sich Prioritäten nicht einfach verschieben. Sicher haben auch einige meiner Freunde festgestellt, dass meine Aufmerksamkeit nicht mehr die selbe ist, dass ich mit den Gedanken manchmal ganz woanders bin und hin und wieder Dinge auch einfach vergesse. Das wäre mir früher nicht passiert. Aber meine Freunde wissen auch, woher dieser Wandel kommt, und die meisten, vor allem die, die selber Kinder haben, verstehen es, und wundern sich gar nicht. Danke euch dafür!
Kinder verändern alles, zumeist im guten Sinne, aber Silberteller habe ich wohl mehr als vernachlässigt. Mein Sohn wird in zwei Monaten zwei Jahre alt und das Arbeitsleben hat mich seit bald zwei Monaten wieder zurück. Nachdem ich im letzten Jahr kaum an meinen Blog gedacht habe, und wenn dann nur sehr kurz und mit sehr schlechtem Gewissen, möchte ich jetzt wieder mehr Zeit hier verbringen, denn er ist ein Teil von mir, den ich nicht verlieren will und den Instagram einfach nicht ersetzen kann.

Wie nun anschließen an einen Post, der zwei Jahreszeiten zurückliegt, einen ganzen Frühling und einen langen Sommer, den ich zuhause verbracht und so intensiv erlebt habe, dass es mir manchmal vorkommt, als wäre all das in einem anderen Leben passiert, aus dem ich jetzt wieder zurück in mein altes Leben gekehrt bin. Und trotzdem, als ich meinen letzten Eintrag vor diesem einzigartigen Sommer, nun noch einmal gelesen habe, und ich gebe zu, ich konnte mich kaum erinnern, was ich damals geschrieben hatte, fiel mir auf, dass sich in einem Punkt nicht viel verändert hatte. Der Herbst ist heuer früh eingezogen und hat jetzt, Mitte Oktober, seinen Höhepunkt schon überschritten. Die leuchtend roten, orangefarbenen und gelben Blätter der Bäume und das goldene Licht weichen grauen Nebelmorgen und gedämpften Farben, bei uns zuhause - wie auch im Frühling - rosa, das im länger währenden Jahr immer mehr zu einem zarten Puderton wird.

Noch im September haben wir ein verlängertes Wochenende in Lyon verbracht, Philipps erster Flug, erste Städtereise und sein erstes Mal in Frankreich, das Land, in das er, dank meiner und Michaels Leidenschaft, sicher noch oft reisen wird. Auch wenn wir leider alle drei kurz hintereinander einen Virus aufschnappen mussten, der Philipp zwei, Michael drei und mich vier Tage lang außer Gefecht setzte, hat sich, wie erwartet, Lyon, die Stadt der Gourmets, als ideales Ziel für unsere erste gemeinsame Frankreichreise erwiesen. Am ersten und am letzten Tag hatten wir die Möglichkeit, uns durch Lyons Spezialitäten zu kosten. Philipp steht den kleinen Franzosen in nichts nach, er ist neugierig, kostet alles, isst foie gras und sein Steak haché, Teil des Kindermenüs im Grand Café des Negociants, medium. Immer wieder hören wir, dass Kinder zuerst alles essen, und plötzlich gar nichts mehr, oder nur mehr ein bis zwei Speisen. Wir hoffen, wie so oft und wie viele Eltern, dass das bei Philipp anders sein wird und er ein kleiner Gourmet bleibt.






Wieder zurück in Österreich, fuhr ich in der Wiener Innenstadt, um einen blauen Parka zu retournieren, der mir nicht gefallen hat (mittlerweile habe ich einen olivgrünen gefunden, wie ich ihn letztes Jahr eigentlich schon haben wollte, keine Sorge ; ) Jedes Mal, wenn ich über den Wiener Kohlmarkt gehe, muss ich am Schaufenster der legendären Konditorei Demel stehen bleiben und ein Foto machen. Obwohl stets klassisch, greift die Schaufensterdekoration trotzdem immer die neuesten Trends auf und inspiriert mich jedes Mal. Diesmal fand ich - da ist es wieder - zarte puder- und beerenfarbene Kuchen, dezente goldene Hirschfiguren und Kerzenleuchter, dunkelgraue (wirklich angezündete!) Kerzen und über den Tisch hängende, simple Leinenservietten vor.

Leider konnte ich nicht, wie ich nur allzu gern getan hätte, das gesamte Ensemble, inklusive Tisch, mit nach Hause nehmen, aber der Eindruck, den es bei mir hinterlassen hatte, blieb und wurde beim nächsten Essen mit Gästen, das wir bei uns zuhause veranstaltet haben, als Vorbild verwendet.






Letztes Wochenende feierten wir Michael vierzigsten Geburtstag. Als Überraschung für das Geburtstagskind, das ja - wie bekannt - gerne und exzellent kocht, hatte ich eine professionelle Küche in der Nähe des Wiener Naschmarkts gemietet und wir haben gemeinsam mit sechzehn von Michaels engsten Freunden ein Menü bestehend aus wärmender Kürbiscremesuppe mit Zimt (aus dem herrlichen Buch "L'Art de la Table" von Gintare Marcel), handgefertigten Ravioli gefüllt mit einer Prosciutto crudo-Ricotta-Mischung, vier Knoblauchhühnern, einem duftenden Lammeintopf mit Zwetschkensauce, Wintergemüse aus dem Ofen, einer Apfelmus-Topfencreme mit karamellisierten Nüssen, dem schnellsten Bananen-Schokoladeeis aller Zeiten (wieder von Gintare Marcel) und der besten Sachertorte auf der Welt, der meiner Nachbarin und Wahlschwester, gezaubert. Ich denke, alle hatten Spaß, und Michael hat mir bestätigt, eine Kochparty mit all seinen Freunden sei eine meiner besten Ideen bislang gewesen : )

Von der Party übrig blieb jede Menge Fladenbrot, das wir am Abend danach, gespickt mit Frühlingszwiebeln und Greyerzer gemütlich mit Wolldecken zugedeckt auf der Couch genossen. Außer dem Fladenbrot hatte ich am Naschmarkt noch nach Blumen Ausschau gehalten, um die Mason Ball-Gläser, die ich mitgebracht hatte - Michaels Party hatte passend zu seinem Alter ein Vintage-Thema, wie guter Wein oder Whisky ist auch er one of a kind vintage aged to perfection - zu füllen. Was fand ich bei strömendem Regen am schönsten Blumenstand des Markts vor? Tulpen in allen Farben und Formen! Den Bruchteil einer Sekunde lang schoss mir unwillkürlich ein "Die ersten Tulpen! Der Frühling ist da". Ich hatte tatsächlich kurz vergessen, dass Herbst war und der Winter noch vor mir lag. Nach kurzer Ernüchterung und der schnell darauffolgenden, beruhigenden Vorfreude auf heißen Glühwein, Besuche von Adventmärkten, ersten Schneeflocken und Nachmittagen vor dem prasselnden Kamin, die ich vermissen würde, gäbe es keinen Winter, entschied ich mich für weiße Papageientulpen mit zartgrünen Rändern, so wie letzten Frühling auch. Es hat sich in meinem Leben also doch nicht so viel verändert, seitdem ich meinen letzten Post geschrieben habe. Hier kann ich anknüpfen.





Sonntag, 19. März 2017

Alljährliches Osterbasteln - heuer in Pastell

Ich weiß nicht, ob es nur mir so geht, aber es kommt mir vor, als wäre die Fastenzeit heuer länger als je zuvor. Natürlich dauert sie auch heuer, wie jedes Jahr, vierzig Tage, aber es liegt wohl daran, dass Ostern dieses Jahr mit Mitte April recht spät ausfällt. Auch habe ich noch nie so sehnsüchtig den Frühling herbeigesehnt wie heuer, was sicher auch darin gründet, dass ich mit meinem Sohn zu Hause bin und so gemütlich es bei uns auch sein mag, es zieht mich und Philipp hinaus. Den ganzen Winter waren wir bei Sonne, Nebel, Regen und Schnee mit dem Kinderwagen, manchmal auch quer durch die Weinberge, unterwegs, weil ich es drinnen einfach nicht mehr ausgehalten und frische Luft und Bewegung gebraucht habe. Mittlerweile steht auch Philipp bei der Terrassentür, zeigt mit dem Finger hinaus und unkt ein wenig - er will unbedingt in den Garten.

Als der Februar kam, hielt ich auf jedem unserer Spaziergänge nach den ersten Farbtupfern Ausschau, die den Frühling hätten ankündigen können - ein Schneeglöckchen unter einem Strauch, leuchtende Krokusse in der noch kargen Wiese, erste Knospen auf den Bäumen ... auch dieses Warten verging für mein Empfinden ungewöhnlich langsam. Es wurde März, als ich endlich die ersten Schneerosen und Schneeglöckchen in unserem Garten entdeckte, gefolgt von gelben Primeln, die jedes Jahr wild aus unserer Wiese schießen.

Gerade weil mir alles so langsam passieren zu schien, entschied ich, die Dinge einfach ein wenig vorwegzunehmen, kaufte Blumen im Geschäft und holte die Osterdekoration heuer einfach früher hervor. Wenn etwas schon lange dauert, dann kann man es ja auch länger genießen. Auch das alljährliche Osterbasteln, das, genauso wie das Weihnachtsbasteln, schon mehrere Jahre Tradition mit meinem Patenkind ist, haben wir für Mitte März, einem Monat für Ostern angesetzt, auch Lena wollte nicht mehr warten.






Beim Bastelbedarf meines Vertrauens habe ich, voller Vorfreude schon im Jänner, Eierhalter aus Holz bestellt und in einer Kiste im Keller aufbewahrt, wo ich sie dann fast vergessen hätte, bis mein Patenkind angefragt hat, wann wir denn heuer Osterbasteln würden. Gestern Abend heraufgeholt, bemalten wir heute die Halter mit Kreidefarbe in Pastelltönen, die ich, ohne zu wissen, dass diese heuer, oder wahrscheinlich wie jeden Frühling, wieder in Mode sein würden, zu Hause hatte. Lena entschied sich für rosa und grau, was jetzt als Zehnjährige schon von gutem Geschmack zeugt. Ich hielt mich an mein übliches Grün, ich konnte nicht anders, meine neuentdeckte Liebe für Rosa hin oder her : )

Michael grub uns im Garten im Regen einige der unzähligen Schneeglöckchen und Primeln aus, die wir natürlich, wenn sie verblüht sind, wieder zurück in die Erde setzen werden, damit sie nächstes Jahr wiederkommen. Die Blümchen kamen in Eierschalen, andere füllten wir mit Stroh oder Moos, Wachteleiern und kleinen Hasen- und Blumenstreuteilen, die wir ebenfalls bemalt hatten. Die übriggebliebenen Pflanzen setzten wir in eine mintfarbene Teetasse und ein weißes Porzellanei mit grauen Tupfen, so wurde nichts verschwendet.

An einem grauen Tag wie heute, an dem es draußen kalt und regnerisch ist, macht Indoor-Gärtnern wesentlich mehr Spaß, als draußen im Regen, so sehr es einen an die frische Luft ziehen mag. Mit Wochenbeginn soll der Frühling zurückkehren und ich kann es, wie immer, nicht erwarten.





Donnerstag, 16. Februar 2017

Do it yourself-Vintage-Valentinstag

In den letzten Jahren sind wir zum Valentinstag immer essen gegangen, doch wurden die meiste Zeit, wen wundert es auch an einem solchen Tag, mit einfallslosen Einheitsmenüs, durch die man durchgehudelt wurde, damit der Tisch noch einmal verkauft werden kann, enttäuscht. Weil unser kleiner Sohn noch dazu, sonst zu meiner großen Freude, früh schlafen geht und wir auch keinen Babysitter organisieren wollten, beschlossen wir den Valentinstag zu Hause zu verbringen, eine Art DIY-Valentinstag, hauptsächlich mit selbstgemachter Dekoration und gutem Essen.

Da zarte Rosaschattierungen wie schon erwähnt ohnehin gerade zu mein bevorzugten Farbtönen gehören und zum Valentinstag nicht besser passen könnten, blieb die Dekoration in Puder und sehr hellem Koralle, "Lachs" als Farbbezeichnung mag ich irgendwie nicht, den esse ich nur., und das wiederum sehr gerne : )








Für die Tischdekoration wurden meine kürzlichen Fundstücke, die rosafarbenen Teller aus der Vitrine geholt, auch das Silberbesteck, dass ich bei meinem lokalen Trödler wirklich günstig erstanden habe, wurde eingeweiht. Irgendwo habe ich kürzlich gelesen, Silhouetten lägen wieder im Trend. Wie so etwas passiert, wer darauf kommt, das gerade so etwas wie Silhouetten überall auftauchen, habe ich mich schon oft gefragt, aber es gibt wohl wie auch bei Haute Couture-Schauen ebenso neue, oder meist neue alte, Impulse in der Innengestaltung.

Auf jeden Fall habe ich mich an die pfirsichrosa Silhouetten-Tassen, die ich vor vielen Jahren bei einem Antiquitätenstand am Adventmarkt in Weitra im Waldviertel erworben habe, erinnert. Damals war ich, soweit ich mich erinnere, noch keine zwanzig und diese drei Tassen, es gab leider keine vierte, waren die ersten antiken Stücke, die ich selbst gekauft habe. Meine allererste Antiquität, das weiß ich noch genau, bekam ich von meiner Mutter im Volksschulalter. Mein Vater musste irgendwo im, ich glaube, es war der sechste oder siebente Wiener Bezirk, etwas von der Druckerei abholen und meine Mutter und ich warteten im Auto, als meine Mutter nur wenige Meter weiter einen kleinen Antiquitätenladen entdeckte. Wie konnte es anders sein, wir stiegen aus und gingen hinein. Das Geschäft gehörte einem netten älteren Herren, dem es gefiel, dass sich ein so kleines Kind wie seine Mutter für Antiquitäten begeisterte. Mir gefiel ein kleines Biedermeier-Bild von einem Mädchen in einem rosa Kleid mit Korkenzieherlocken in einem verschnörkelten Goldrahmen und meine Mutter schenkte es mir. Ich habe es heute noch im Keller verwahrt, wenn ich so daran denke, sollte ich es wieder einmal heraufholen und aufstellen.

Zurück zu den Silhouetten-Tassen, die ich ebenfalls aus der Vitrine genommen und in ein kleines Arrangement mit Vogelkäfig auf dem Kamin eingebaut habe. Am selben Tag brachte mir mein entzückendes Patenkind ein paar zu einem Bündel gebundene Zweige, die schon Knospen trugen. Ich, die schon seit Tagen bei Spaziergängen vergeblich auf der Suche nach ersten Frühlingsboten wie Schneeglöckchen oder Krokussen versteckt im Gras, oder vielleicht gerade zart aufblühenden Bäumen gewesen war, staunte nicht schlecht, als sie meinte, sie hätte die kleinen Äste von einem Baum in unserem Garten, beim Zaun zum alten Schloss hin, abgeschnitten. Das Gute liegt oft so nah ... Auf die Zweige gesellten sich, außerhalb des Käfigs, ein Paar freie Vögelchen und eine alte Apothekerflasche mit meinen Lieblingsfrühlingsblumen, Ranunkeln in vielen, verschiedenfarbigen Schichten, von creme bis zu hellem Koralle, und weiße Freesien, komplettierten das Bild.

Das wunderbare Überraschungsmenü von meinem Mann bestand aus einer herrlich schaumigen scharfen Karotten-Ingwer-Suppe mit Harissa, als Hauptgang Hühnerbrust gefüllt mit Ziegenkäse und getrockneten Paradeisern, eingewickelt in Rohschinken, dazu ein wundervoll cremiges, perfekt abgeschmecktes Süßkartoffelpurée, und als gelungener Abschluss selbstgemachte Kakao-Walnuss-Trüffel in einem Mantel von getrockneten Erdbeeren. Besser hätte es in keinem Haubenlokal sein können!






Freitag, 10. Februar 2017

Das Warten auf den Frühling ist zartrosa

Während ich mich in den vorangegangen Jahren drinnen mit hellgrün oder mint über die grauen Monate Jänner und Februar draußen hinweggetröstet habe, bemerke ich heuer wie es mich zu zarten Rosatönen hinzieht. Gut, es gab eine Zeit, da war ich etwa sieben Jahre alt, da war mein Leben, ganz nach Edith Piaf, durch und durch rosa, von der rosa Cordsamthose (ja, die waren in den Achtziger Jahren in Mode ...), über den rosa Pullover und die rosa Haarspange bishin zum rosa Campingwagen meiner, ein rosa Kleid tragenden, Barbie. Das legte sich rasch wieder und wurde von dunkelblauen Levis 501 (ja, die trug man in den Neunzigern), dunkelblauen T-Shirts und dunkelblauen DocMartens (keine Ahnung, ob man die noch trägt) abgelöst. Das Geschirr in meiner ersten kleinen Wohnung war aus dunkelblauem Glas. Im Nachhinein schaudert mir, jedes Essen sah auf dunkelblauen Glastellern einfach ekelhaft aus und man wusste nicht, was in den Gläsern war, aus denen man trank, aber auch das war damals in Mode.

Dann, ich weiß nicht genau, was tatsächlich der Auslöser war, änderte sich erneut alles. Es war kurz nach den schrecklichen Ereignissen in New York zu 9/11, die ja alle erdenklichen Strömungen nach sich gezogen haben sollen, ich war Anfang zwanzig, hatte meinen ersten richtigen Freund und plötzlich wurde in unserer damals aller Lieblingsserie die zuvor verhasste Etepetete-Charlotte mit ihren Prinzessinnenkleidchen und der kleinen, weißen Wohnung voller mauvefarbener kleiner Blümchen zu meinem Lieblingscharakter. "Die fabelhafte Welt der Amelie", mit der zuckersüßen Audrey Tautou und all ihren kleinen Spinnereien, die ich nicht um die Burg im Kino hatte sehen wollen, wurde plötzlich mein absoluter Lieblingsfilm. Bei Ikea kaufte ich Bettwäsche mit Rosendruck, Pölster mit Rosen auf der einen und kleinen, rosaroten Pünktchen auf der anderen Seite und von dem Geld, dass ich neben dem Studium verdiente, erstand ich zwei geblümte Laura Ashley-Nackenrollen, die günstigsten Stücke in der damals unerschwinglichen Kollektion. Die Wände meines Zimmers strich ich ein helles Himbeer. Rosa war definitiv zurück!






Aber auch diese Phase ging vorbei. Bald kam Grün in allen Varianten und ging nie wieder. Aber nun ist rosa wieder da. Vielleicht liegt es daran, dass ich einen Sohn habe, für den ich natürlich Dinge in blau, türkis, grün oder grau kaufe. Das sind herrliche Farben und eigentlich sind sie mir auch wesentlich lieber als rosa, in diesem Sinne ist es also gut, dass wir keine Tochter haben, aber irgendwo dürfte mir bei all diesen Burschen im Haus - sogar die Katze ist männlich - ein Hauch rosa fehlen. Beim Altwarentandler meines Vertrauens habe ich mich erwischt wie ich einen rosa, geblümt oder nicht, Teller nach dem anderen nach Hause bringe. Dann entdeckte ich im Blumengeschäft Tulpen! Normalerweise kaufe ich nur weiße Tulpen, das sind meine Lieblinge, aber diesmal sah ich Tulpen in einem zarten Puderton, eine Farbe wie die von seidenen Ballerinaschuhen. Wunderschön!

Die mussten nun passend arrangiert werden und nachdem rosafarbene Dekoration, abgesehen von ein paar alten Kaffeekannen oder Zuckerdosen, von denen einige noch von meiner Mutter sind, bei uns Mangelware ist, bekam ich wieder einmal Gelegenheit, etwas zu basteln, was ich ohnehin schon viel zu lange nicht mehr getan habe.



Eine alte Obstkiste, ich glaube, es waren im Sommer Erdbeeren drin, wartete schon genauso lang auf ihren Einsatz wie die Liederhefte, die mir meine Großmutter vom Aussortieren ihrer Wandschränke mitgebracht hatte, auf ihren Einsatz. Die Obstkiste wurde mit rosa Kreidefarbe gestrichen, gerade so, dass die Holzmaserung noch ein wenig durchscheint, und das Notenbuch, meine Oma möge es mir verzeihe, auseinandergenommen und in der Kiste aufgelegt. Die Tulpen übersiedelten in eine der rosa Kaffeekannen aus der Sammlung meiner Mutter und - fertig. Eine bessere Art, auf den hoffentlich schon herannahenden Frühling zu warten, als zartrosa, kann ich mir kaum vorstellen!





Sonntag, 22. Januar 2017

Das perfekte Steak

Bereits seit Jahren sucht Michael nach einer Methode, wie man das perfekte Steak zubereitet. Alles fängt an beim Fleischstück, bei dem Michael und ich schon verschiedene Vorlieben an den Tag legen. Für mich kommt nur ein Filetsteak in Frage, klein und mager; Michael mag es groß und mit Fett und Muskeln marmoriert. So gab es heute für mich und Philipp ein Filet Mignon, für Michael ein Onglet, den Nierenzapfen.      




Zuvor gab es einen weiteren Favoriten von mir, nämlich Frittatensuppe, meine absolute Lieblingssuppe und ein Klassiker, den ich fast immer wähle, wenn wir in einem Restaurant mit österreichischer Küche essen. Oft schmeckt die Rindsuppe dort aber zu intensiv, als wäre sie mit Geschmacksstoffen angereichert. Wir verwendeten Hühnersuppe  auf Basis eines Fonds, den Michael letzte Woche mit dreißig Hühnerflügeln und jeder Menge Suppengemüse angesetzt hatte, und sie schmeckte genau richtig. Die Palatschinken für die Frittaten waren ein Überbleibsel von unserem gestrigen Crêpesfrühstück.



Die Steaks wurden nur mit Salz, Pfeffer und Rosmarin aus unserem Garten mariniert. Anschließend wurden sie bei 57 Grad für zwei Stunden sous vide gegart und danach in der sehr heißen Pfanne in Traubenkernöl ganz kurz angebraten, um eine schöne Kruste zu bekommen.

Eines der besten Steaks, das ich je gegessen habe, hatte vor einigen Jahren in Paris in der wunderschönen Jugendstil-Brasserie La Coupole. Ich war dort mit meiner langen Freundin Marion, die Lehrerin ist. Es war Anfang Juli, das erste Ferienwochenende, Paris war ungewöhnlich leer, wir hatten ein günstiges Zimmer im herrlichen Hotel d'Angleterre an der Rive Gauche ergattert, ein Zimmer im Innenhof mit eigenem Eingang vom kleinen Garten, einem großen Schlafzimmer, eine Seltenheit in Pariser Dreisternhotels, und einem fast noch größerem Bad mit freistehender Badewanne mit Löwentatzen. Nie wieder habe ich im Hotel d'Angleterre wieder ein halbwegs leistbares Zimmer gefunden, nicht einmal ein klitzekleines, wir mussten damals unglaubliches Glück gehabt haben, dass das Hotel fast leer stand. Bei Anreise im Hotel reduzierte der Rezeptionist den Preis noch einmal, auch etwas, das mir später nie wieder passiert ist.

Für den 6. Juli, dem Geburtstag meiner Mutter, die im April davor gestorben war, reservierten wir im La Coupole. Das perfekte Steak kam zum perfekten Wein, einem samtigen, aber leichten Moulin à vente, den ich seitdem immer wieder gekauft habe, und was tat meine Freundin Marion? Sie schickte das Steak zurück, mit der Bitte es doch durchzubraten! Ich mag Marion wirklich sehr, sie ist eine meiner besten Freundinnen, sie war in schweren Zeiten, die wir leider beide durchgemacht haben, immer meine größte Stütze, genauso wie hoffentlich ich auch ihr, und auch in guten Zeiten bin ich unglaublich gern in ihrer Gesellschaft und wir sind stets auf einer Linie, aber in diesem Moment wollte ich im Erdboden versinken.

Man muss es dem Servierpersonal im La Coupole lassen, sie leben die Maxime "Der Kunde ist König" - kurz versuchte der arme Kellner Marion zu erklären, dass ein Steak medium sehr viel besser sei als well done, well done sei doch trocken, aber, wenn Madame ihr Steak well done wolle, dann, selbstverständlich, bekomme sie es auch so. Er fügte noch leise hinzu, es würde dem Koch wahrscheinlich wehtun, aber er mache es für Madame sicher gern. Das Steak kam dann well done, nicht trocken, weil der Koch einfach wusste, was er tat, aber der Geschmack und Biss war sicher nichts gegen mein perfektes medium Steak ... Geschmäcker sind verschieden, Madame war glücklich, das ist alles was zählt : )

Michael weiß genauso, was er tut. Mein Filet heute war genau so wie ich es mag, nicht zu blutig, sondern ein zartes rosarot. Dazu gab es knusprige Rösterdäpfel aus dem Ofen, zu denen sich am Schluss auch Rosmarin in den Bräter gesellt hatte. Ein Glas Rotwein dazu und wir hatten das perfekte Steak - ich muss sogar sagen, besser als im La Coupole! Nur Marion brauchen wir dazu wahrscheinlich nicht einladen, auch wenn Michael es für sie bestimmt ebenfalls well done machen würde, wenn auch mit Schmerzen, wie der arme Koch im La Coupole!





Sonntag, 15. Januar 2017

Familienpizza am Sonntag

Bei unserem zweiten Weihnachtsfest am 26. Dezember im Haus von Michaels Eltern hatte Michaels Schwester sein Geschenk zu Hause vergessen. Grund dafür war, dass ihrem Mann das große Paket in der Nähe der Eingangstür, wo es wahrscheinlich nicht vergessen worden wäre, wohl im Weg gestanden war und er es an einen anderen Platz geräumt hatte. Michael hatte vollstes Verständnis, kennt er die Situation doch nur allzu gut, nur dass es bei uns umgekehrt ist. Ich kann es nicht leiden, wenn Dinge herumstehen, wo sie nicht hingehören, vor allem dort, wo der Platz ohnehin begrenzt ist, also bin ich ständig am weg- und herumräumen, was Michael bestimmt mindestens so auf die Nerven geht, wie mich die Unordnung wahnsinnig macht.

Das vergessene Geschenk wiederum war tatsächlich ein Glücksfall, so konnten wir die Geschenksübergabe in das neue Jahr verlegen und sie gleich mit einem Essen bei uns verbinden. Isabellas Geschenk an Michael war nämlich ein Miniatur-Pizzaofen für den Tisch, nicht etwas, das wir uns selbst gekauft hätten, aber es stellte sich heraus, dass die "Pizzerette" in einer größeren Runde und vor allem mit Kindern mindestens genauso viel Spaß macht wie ein Fonduetopf oder ein Raclette, als das man den Pizzaofen übrigens auch verwenden kann.

Bei der Tischdekoration fragte ich mich, wie man das Thema Pizzaofen verarbeiten kann, ohne auf bunte Papierservietten, rotes Karo und italienische Fähnchen zurückgreifen zu müssen. Da fiel mir ein, dass wir zwar, auf mein Drängen hin, die Krippenfiguren, aber, dank Michaels, na nennen wir es Gelassenheit, noch nicht die Krippe und ihre Ersatzteile weggeräumt hatten. In einem Säckchen fand ich noch rohe Dachziegel, die übriggeblieben waren, als Michael vor Weihnachten einige der Ziegel mit Ockerpigmenten, die er, als wir im Sommer im Ockerdorf Roussillon in der Vaucluse Halt gemacht hatten, in einem Malerbedarfsgeschäft gekauft hatte, sowie Ockererde, die ich vom Parkplatz mitgehen hatte lassen, kurz bevor wir Roussillon verließen, bearbeitet hatte. Ein Pizzaofen wird ja bekanntlich auch aus Ziegeln gebaut, also her mit den kleinen Ziegeln und auf die einfachen weißen Stoffserviette damit!





Michael hatte den Pizzateig bereits zwei Tage vorher angesetzt, 24 Stunden bei Raumtemperatur gehen lassen und dann im Kühlschrank kalt fermentiert. Klingt kompliziert, stellte sich aber als der beste Pizzateig heraus, den wir je selbst gemacht hatten und auch die Gäste waren dieser Meinung. Mit den Fingerknöcheln wurde dann die Teigkugeln ein wenig auseinandergezogen und hatten damit die richtige Größe für die kleinen runden Schaufeln, die dann gleich am Tisch in den Pizzaofen geschoben werden.

Als Belag hatten wir zur Pizzaiola, der Paradeissauce, Kochschinken und Rohschinken zur Auswahl, dazu entweder Mozzarella oder etwas härterer Gruyère, Champignons, rote Oliven und für eine Pizza norvégienne Räucherlachs und Créme fraîche.




Im kleinen Pizzaofen sind die Minipizzen rasch fertig und aufgrund der Größe kann man drei bis vier, vielleicht sogar fünf, verschiedene Varianten probieren, ohne sich zu überessen. Kurt, mein Schwager, gestand nach dem Essen, sich nicht zu viel von einer "hausgemachten" Pizza, und schon gar nicht von dem "Gerät", das seine Frau gekauft hatte (deshalb vielleicht auch das Wegräumen der Schachtel, nicht lediglich aus Platzgründen ...), erwartet hatte, aber er war positiv überrascht worden. Michaels perfekt aufgehender Pizzateig, zusammen mit den qualitativ hochwertigen Belägen hatten ihn überzeugt, dem "kleinen Ofen" eine genauso gute Kritik zu geben wie dem "richtigen" seines langjährigen Freundes Aldo in dessen Pizzeria, der, vor Jahrzehnten, ersten und immer noch existierenden Pizzeria in Kurts Heimatstadt Steyr. Das verstehe ich als Kompliment!

Zur Pizza tranken wir zwei Flaschen des Barbera 2015, den wir im Sommer von Bruno im "Agroturismo Il Tiglio" im Piemont mitgenommen hatten. Bruno behielt recht, denn er hatte gemeint "perfetto con Pizza".