Donnerstag, 16. Februar 2017

Do it yourself-Vintage-Valentinstag

In den letzten Jahren sind wir zum Valentinstag immer essen gegangen, doch wurden die meiste Zeit, wen wundert es auch an einem solchen Tag, mit einfallslosen Einheitsmenüs, durch die man durchgehudelt wurde, damit der Tisch noch einmal verkauft werden kann, enttäuscht. Weil unser kleiner Sohn noch dazu, sonst zu meiner großen Freude, früh schlafen geht und wir auch keinen Babysitter organisieren wollten, beschlossen wir den Valentinstag zu Hause zu verbringen, eine Art DIY-Valentinstag, hauptsächlich mit selbstgemachter Dekoration und gutem Essen.

Da zarte Rosaschattierungen wie schon erwähnt ohnehin gerade zu mein bevorzugten Farbtönen gehören und zum Valentinstag nicht besser passen könnten, blieb die Dekoration in Puder und sehr hellem Koralle, "Lachs" als Farbbezeichnung mag ich irgendwie nicht, den esse ich nur., und das wiederum sehr gerne : )








Für die Tischdekoration wurden meine kürzlichen Fundstücke, die rosafarbenen Teller aus der Vitrine geholt, auch das Silberbesteck, dass ich bei meinem lokalen Trödler wirklich günstig erstanden habe, wurde eingeweiht. Irgendwo habe ich kürzlich gelesen, Silhouetten lägen wieder im Trend. Wie so etwas passiert, wer darauf kommt, das gerade so etwas wie Silhouetten überall auftauchen, habe ich mich schon oft gefragt, aber es gibt wohl wie auch bei Haute Couture-Schauen ebenso neue, oder meist neue alte, Impulse in der Innengestaltung.

Auf jeden Fall habe ich mich an die pfirsichrosa Silhouetten-Tassen, die ich vor vielen Jahren bei einem Antiquitätenstand am Adventmarkt in Weitra im Waldviertel erworben habe, erinnert. Damals war ich, soweit ich mich erinnere, noch keine zwanzig und diese drei Tassen, es gab leider keine vierte, waren die ersten antiken Stücke, die ich selbst gekauft habe. Meine allererste Antiquität, das weiß ich noch genau, bekam ich von meiner Mutter im Volksschulalter. Mein Vater musste irgendwo im, ich glaube, es war der sechste oder siebente Wiener Bezirk, etwas von der Druckerei abholen und meine Mutter und ich warteten im Auto, als meine Mutter nur wenige Meter weiter einen kleinen Antiquitätenladen entdeckte. Wie konnte es anders sein, wir stiegen aus und gingen hinein. Das Geschäft gehörte einem netten älteren Herren, dem es gefiel, dass sich ein so kleines Kind wie seine Mutter für Antiquitäten begeisterte. Mir gefiel ein kleines Biedermeier-Bild von einem Mädchen in einem rosa Kleid mit Korkenzieherlocken in einem verschnörkelten Goldrahmen und meine Mutter schenkte es mir. Ich habe es heute noch im Keller verwahrt, wenn ich so daran denke, sollte ich es wieder einmal heraufholen und aufstellen.

Zurück zu den Silhouetten-Tassen, die ich ebenfalls aus der Vitrine genommen und in ein kleines Arrangement mit Vogelkäfig auf dem Kamin eingebaut habe. Am selben Tag brachte mir mein entzückendes Patenkind ein paar zu einem Bündel gebundene Zweige, die schon Knospen trugen. Ich, die schon seit Tagen bei Spaziergängen vergeblich auf der Suche nach ersten Frühlingsboten wie Schneeglöckchen oder Krokussen versteckt im Gras, oder vielleicht gerade zart aufblühenden Bäumen gewesen war, staunte nicht schlecht, als sie meinte, sie hätte die kleinen Äste von einem Baum in unserem Garten, beim Zaun zum alten Schloss hin, abgeschnitten. Das Gute liegt oft so nah ... Auf die Zweige gesellten sich, außerhalb des Käfigs, ein Paar freie Vögelchen und eine alte Apothekerflasche mit meinen Lieblingsfrühlingsblumen, Ranunkeln in vielen, verschiedenfarbigen Schichten, von creme bis zu hellem Koralle, und weiße Freesien, komplettierten das Bild.

Das wunderbare Überraschungsmenü von meinem Mann bestand aus einer herrlich schaumigen scharfen Karotten-Ingwer-Suppe mit Harissa, als Hauptgang Hühnerbrust gefüllt mit Ziegenkäse und getrockneten Paradeisern, eingewickelt in Rohschinken, dazu ein wundervoll cremiges, perfekt abgeschmecktes Süßkartoffelpurée, und als gelungener Abschluss selbstgemachte Kakao-Walnuss-Trüffel in einem Mantel von getrockneten Erdbeeren. Besser hätte es in keinem Haubenlokal sein können!






Freitag, 10. Februar 2017

Das Warten auf den Frühling ist zartrosa

Während ich mich in den vorangegangen Jahren drinnen mit hellgrün oder mint über die grauen Monate Jänner und Februar draußen hinweggetröstet habe, bemerke ich heuer wie es mich zu zarten Rosatönen hinzieht. Gut, es gab eine Zeit, da war ich etwa sieben Jahre alt, da war mein Leben, ganz nach Edith Piaf, durch und durch rosa, von der rosa Cordsamthose (ja, die waren in den Achtziger Jahren in Mode ...), über den rosa Pullover und die rosa Haarspange bishin zum rosa Campingwagen meiner, ein rosa Kleid tragenden, Barbie. Das legte sich rasch wieder und wurde von dunkelblauen Levis 501 (ja, die trug man in den Neunzigern), dunkelblauen T-Shirts und dunkelblauen DocMartens (keine Ahnung, ob man die noch trägt) abgelöst. Das Geschirr in meiner ersten kleinen Wohnung war aus dunkelblauem Glas. Im Nachhinein schaudert mir, jedes Essen sah auf dunkelblauen Glastellern einfach ekelhaft aus und man wusste nicht, was in den Gläsern war, aus denen man trank, aber auch das war damals in Mode.

Dann, ich weiß nicht genau, was tatsächlich der Auslöser war, änderte sich erneut alles. Es war kurz nach den schrecklichen Ereignissen in New York zu 9/11, die ja alle erdenklichen Strömungen nach sich gezogen haben sollen, ich war Anfang zwanzig, hatte meinen ersten richtigen Freund und plötzlich wurde in unserer damals aller Lieblingsserie die zuvor verhasste Etepetete-Charlotte mit ihren Prinzessinnenkleidchen und der kleinen, weißen Wohnung voller mauvefarbener kleiner Blümchen zu meinem Lieblingscharakter. "Die fabelhafte Welt der Amelie", mit der zuckersüßen Audrey Tautou und all ihren kleinen Spinnereien, die ich nicht um die Burg im Kino hatte sehen wollen, wurde plötzlich mein absoluter Lieblingsfilm. Bei Ikea kaufte ich Bettwäsche mit Rosendruck, Pölster mit Rosen auf der einen und kleinen, rosaroten Pünktchen auf der anderen Seite und von dem Geld, dass ich neben dem Studium verdiente, erstand ich zwei geblümte Laura Ashley-Nackenrollen, die günstigsten Stücke in der damals unerschwinglichen Kollektion. Die Wände meines Zimmers strich ich ein helles Himbeer. Rosa war definitiv zurück!






Aber auch diese Phase ging vorbei. Bald kam Grün in allen Varianten und ging nie wieder. Aber nun ist rosa wieder da. Vielleicht liegt es daran, dass ich einen Sohn habe, für den ich natürlich Dinge in blau, türkis, grün oder grau kaufe. Das sind herrliche Farben und eigentlich sind sie mir auch wesentlich lieber als rosa, in diesem Sinne ist es also gut, dass wir keine Tochter haben, aber irgendwo dürfte mir bei all diesen Burschen im Haus - sogar die Katze ist männlich - ein Hauch rosa fehlen. Beim Altwarentandler meines Vertrauens habe ich mich erwischt wie ich einen rosa, geblümt oder nicht, Teller nach dem anderen nach Hause bringe. Dann entdeckte ich im Blumengeschäft Tulpen! Normalerweise kaufe ich nur weiße Tulpen, das sind meine Lieblinge, aber diesmal sah ich Tulpen in einem zarten Puderton, eine Farbe wie die von seidenen Ballerinaschuhen. Wunderschön!

Die mussten nun passend arrangiert werden und nachdem rosafarbene Dekoration, abgesehen von ein paar alten Kaffeekannen oder Zuckerdosen, von denen einige noch von meiner Mutter sind, bei uns Mangelware ist, bekam ich wieder einmal Gelegenheit, etwas zu basteln, was ich ohnehin schon viel zu lange nicht mehr getan habe.



Eine alte Obstkiste, ich glaube, es waren im Sommer Erdbeeren drin, wartete schon genauso lang auf ihren Einsatz wie die Liederhefte, die mir meine Großmutter vom Aussortieren ihrer Wandschränke mitgebracht hatte, auf ihren Einsatz. Die Obstkiste wurde mit rosa Kreidefarbe gestrichen, gerade so, dass die Holzmaserung noch ein wenig durchscheint, und das Notenbuch, meine Oma möge es mir verzeihe, auseinandergenommen und in der Kiste aufgelegt. Die Tulpen übersiedelten in eine der rosa Kaffeekannen aus der Sammlung meiner Mutter und - fertig. Eine bessere Art, auf den hoffentlich schon herannahenden Frühling zu warten, als zartrosa, kann ich mir kaum vorstellen!





Sonntag, 22. Januar 2017

Das perfekte Steak

Bereits seit Jahren sucht Michael nach einer Methode, wie man das perfekte Steak zubereitet. Alles fängt an beim Fleischstück, bei dem Michael und ich schon verschiedene Vorlieben an den Tag legen. Für mich kommt nur ein Filetsteak in Frage, klein und mager; Michael mag es groß und mit Fett und Muskeln marmoriert. So gab es heute für mich und Philipp ein Filet Mignon, für Michael ein Onglet, den Nierenzapfen.      




Zuvor gab es einen weiteren Favoriten von mir, nämlich Frittatensuppe, meine absolute Lieblingssuppe und ein Klassiker, den ich fast immer wähle, wenn wir in einem Restaurant mit österreichischer Küche essen. Oft schmeckt die Rindsuppe dort aber zu intensiv, als wäre sie mit Geschmacksstoffen angereichert. Wir verwendeten Hühnersuppe  auf Basis eines Fonds, den Michael letzte Woche mit dreißig Hühnerflügeln und jeder Menge Suppengemüse angesetzt hatte, und sie schmeckte genau richtig. Die Palatschinken für die Frittaten waren ein Überbleibsel von unserem gestrigen Crêpesfrühstück.



Die Steaks wurden nur mit Salz, Pfeffer und Rosmarin aus unserem Garten mariniert. Anschließend wurden sie bei 57 Grad für zwei Stunden sous vide gegart und danach in der sehr heißen Pfanne in Traubenkernöl ganz kurz angebraten, um eine schöne Kruste zu bekommen.

Eines der besten Steaks, das ich je gegessen habe, hatte vor einigen Jahren in Paris in der wunderschönen Jugendstil-Brasserie La Coupole. Ich war dort mit meiner langen Freundin Marion, die Lehrerin ist. Es war Anfang Juli, das erste Ferienwochenende, Paris war ungewöhnlich leer, wir hatten ein günstiges Zimmer im herrlichen Hotel d'Angleterre an der Rive Gauche ergattert, ein Zimmer im Innenhof mit eigenem Eingang vom kleinen Garten, einem großen Schlafzimmer, eine Seltenheit in Pariser Dreisternhotels, und einem fast noch größerem Bad mit freistehender Badewanne mit Löwentatzen. Nie wieder habe ich im Hotel d'Angleterre wieder ein halbwegs leistbares Zimmer gefunden, nicht einmal ein klitzekleines, wir mussten damals unglaubliches Glück gehabt haben, dass das Hotel fast leer stand. Bei Anreise im Hotel reduzierte der Rezeptionist den Preis noch einmal, auch etwas, das mir später nie wieder passiert ist.

Für den 6. Juli, dem Geburtstag meiner Mutter, die im April davor gestorben war, reservierten wir im La Coupole. Das perfekte Steak kam zum perfekten Wein, einem samtigen, aber leichten Moulin à vente, den ich seitdem immer wieder gekauft habe, und was tat meine Freundin Marion? Sie schickte das Steak zurück, mit der Bitte es doch durchzubraten! Ich mag Marion wirklich sehr, sie ist eine meiner besten Freundinnen, sie war in schweren Zeiten, die wir leider beide durchgemacht haben, immer meine größte Stütze, genauso wie hoffentlich ich auch ihr, und auch in guten Zeiten bin ich unglaublich gern in ihrer Gesellschaft und wir sind stets auf einer Linie, aber in diesem Moment wollte ich im Erdboden versinken.

Man muss es dem Servierpersonal im La Coupole lassen, sie leben die Maxime "Der Kunde ist König" - kurz versuchte der arme Kellner Marion zu erklären, dass ein Steak medium sehr viel besser sei als well done, well done sei doch trocken, aber, wenn Madame ihr Steak well done wolle, dann, selbstverständlich, bekomme sie es auch so. Er fügte noch leise hinzu, es würde dem Koch wahrscheinlich wehtun, aber er mache es für Madame sicher gern. Das Steak kam dann well done, nicht trocken, weil der Koch einfach wusste, was er tat, aber der Geschmack und Biss war sicher nichts gegen mein perfektes medium Steak ... Geschmäcker sind verschieden, Madame war glücklich, das ist alles was zählt : )

Michael weiß genauso, was er tut. Mein Filet heute war genau so wie ich es mag, nicht zu blutig, sondern ein zartes rosarot. Dazu gab es knusprige Rösterdäpfel aus dem Ofen, zu denen sich am Schluss auch Rosmarin in den Bräter gesellt hatte. Ein Glas Rotwein dazu und wir hatten das perfekte Steak - ich muss sogar sagen, besser als im La Coupole! Nur Marion brauchen wir dazu wahrscheinlich nicht einladen, auch wenn Michael es für sie bestimmt ebenfalls well done machen würde, wenn auch mit Schmerzen, wie der arme Koch im La Coupole!





Sonntag, 15. Januar 2017

Familienpizza am Sonntag

Bei unserem zweiten Weihnachtsfest am 26. Dezember im Haus von Michaels Eltern hatte Michaels Schwester sein Geschenk zu Hause vergessen. Grund dafür war, dass ihrem Mann das große Paket in der Nähe der Eingangstür, wo es wahrscheinlich nicht vergessen worden wäre, wohl im Weg gestanden war und er es an einen anderen Platz geräumt hatte. Michael hatte vollstes Verständnis, kennt er die Situation doch nur allzu gut, nur dass es bei uns umgekehrt ist. Ich kann es nicht leiden, wenn Dinge herumstehen, wo sie nicht hingehören, vor allem dort, wo der Platz ohnehin begrenzt ist, also bin ich ständig am weg- und herumräumen, was Michael bestimmt mindestens so auf die Nerven geht, wie mich die Unordnung wahnsinnig macht.

Das vergessene Geschenk wiederum war tatsächlich ein Glücksfall, so konnten wir die Geschenksübergabe in das neue Jahr verlegen und sie gleich mit einem Essen bei uns verbinden. Isabellas Geschenk an Michael war nämlich ein Miniatur-Pizzaofen für den Tisch, nicht etwas, das wir uns selbst gekauft hätten, aber es stellte sich heraus, dass die "Pizzerette" in einer größeren Runde und vor allem mit Kindern mindestens genauso viel Spaß macht wie ein Fonduetopf oder ein Raclette, als das man den Pizzaofen übrigens auch verwenden kann.

Bei der Tischdekoration fragte ich mich, wie man das Thema Pizzaofen verarbeiten kann, ohne auf bunte Papierservietten, rotes Karo und italienische Fähnchen zurückgreifen zu müssen. Da fiel mir ein, dass wir zwar, auf mein Drängen hin, die Krippenfiguren, aber, dank Michaels, na nennen wir es Gelassenheit, noch nicht die Krippe und ihre Ersatzteile weggeräumt hatten. In einem Säckchen fand ich noch rohe Dachziegel, die übriggeblieben waren, als Michael vor Weihnachten einige der Ziegel mit Ockerpigmenten, die er, als wir im Sommer im Ockerdorf Roussillon in der Vaucluse Halt gemacht hatten, in einem Malerbedarfsgeschäft gekauft hatte, sowie Ockererde, die ich vom Parkplatz mitgehen hatte lassen, kurz bevor wir Roussillon verließen, bearbeitet hatte. Ein Pizzaofen wird ja bekanntlich auch aus Ziegeln gebaut, also her mit den kleinen Ziegeln und auf die einfachen weißen Stoffserviette damit!





Michael hatte den Pizzateig bereits zwei Tage vorher angesetzt, 24 Stunden bei Raumtemperatur gehen lassen und dann im Kühlschrank kalt fermentiert. Klingt kompliziert, stellte sich aber als der beste Pizzateig heraus, den wir je selbst gemacht hatten und auch die Gäste waren dieser Meinung. Mit den Fingerknöcheln wurde dann die Teigkugeln ein wenig auseinandergezogen und hatten damit die richtige Größe für die kleinen runden Schaufeln, die dann gleich am Tisch in den Pizzaofen geschoben werden.

Als Belag hatten wir zur Pizzaiola, der Paradeissauce, Kochschinken und Rohschinken zur Auswahl, dazu entweder Mozzarella oder etwas härterer Gruyère, Champignons, rote Oliven und für eine Pizza norvégienne Räucherlachs und Créme fraîche.




Im kleinen Pizzaofen sind die Minipizzen rasch fertig und aufgrund der Größe kann man drei bis vier, vielleicht sogar fünf, verschiedene Varianten probieren, ohne sich zu überessen. Kurt, mein Schwager, gestand nach dem Essen, sich nicht zu viel von einer "hausgemachten" Pizza, und schon gar nicht von dem "Gerät", das seine Frau gekauft hatte (deshalb vielleicht auch das Wegräumen der Schachtel, nicht lediglich aus Platzgründen ...), erwartet hatte, aber er war positiv überrascht worden. Michaels perfekt aufgehender Pizzateig, zusammen mit den qualitativ hochwertigen Belägen hatten ihn überzeugt, dem "kleinen Ofen" eine genauso gute Kritik zu geben wie dem "richtigen" seines langjährigen Freundes Aldo in dessen Pizzeria, der, vor Jahrzehnten, ersten und immer noch existierenden Pizzeria in Kurts Heimatstadt Steyr. Das verstehe ich als Kompliment!

Zur Pizza tranken wir zwei Flaschen des Barbera 2015, den wir im Sommer von Bruno im "Agroturismo Il Tiglio" im Piemont mitgenommen hatten. Bruno behielt recht, denn er hatte gemeint "perfetto con Pizza".


Donnerstag, 12. Januar 2017

Donnerstagabend mit Käsefondue

Von einer Geschäftsreise an die schweizerisch-französische Grenze hat mein Mann Anfang der Woche nicht nur zu meiner großen Freude zartschmelzende Schokoladentrüffel von Beschle, sondern auch Schweizer Fonduekäse mitgebracht. Das eisige Wetter mit Schnee und bis zu -13 Grad in der Früh der letzten Tage hat sich ohnehin angeboten, einmal ein etwas deftigeres Abendessen aufzutischen, so haben wir heute den Fonduetopf herausgeholt, Schwarzbrot, Laugenstangerl und Baguette geschnitten und den Käse mit Schalotten, Knoblauch, Muskatnuss (Herr Müller!), Riesling und einem Spritzer Zitronensaft geschmolzen.






Es gab eine Zeit, als ich die Bücher von Elizabeth Arnim förmlich verschlungen habe, eines davon war "Ein Chalet in den Bergen". Ich weiß nicht, ob es nur eine romantische Vorstellung von mir ist, aber ich träume seit Jahren davon, Silvester oder ein paar Tage im Jänner mit guten Freunden in einer Hütte in den Bergen zu verbringen. Das Wort "Hütte" mag vielleicht eine Untertreibung sein, denn ich denke an jede Menge Schnee, ein großes Holzhaus, ein Kaminfeuer, viele Wolldecken und Schaffelle, ein duftendes Zirbenbett mit dicken Daunendecken, am besten auch eine Infrarotsauna und einen Hot Tub, einen großen hölzernen Esstisch und natürlich jede Menge gutes Essen, darunter auf jeden Fall Käsefondue. Wenn meine Fantasie ganz mit mir durchgeht, sehe ich auch einen Pferdeschlitten und Fackeln, die einem den Weg in der Nacht leuchten. Tja, was kann man da machen ...

Ein gemütliches Käsefondue  mit einem Glas Riesling ist der erste Schritt zu einem Urlaub in den Bergen, der in den nächsten Jahren aber sicher einmal in die Wirklichkeit umgesetzt wird. Und sowohl in der Schweiz, als auch in Südtirol oder Frankreich, und somit auch hier im Weinviertel, musste nach einem doch recht schweren Essen ein Schnaps her, für Michael klarer Apfel, für mich Zirbe. So kann das eisige Wetter ruhig noch ein wenig anhalten.



Freitag, 6. Januar 2017

Dreikönig und ein Liebäugeln mit dem Frühling

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber wenn Weihnachten vorbei ist, ist mir immer danach, sofort die gesamte Weihnachtsdekoration wegzuräumen und den Frühling in unser Haus einziehen zu lassen. Ich liebe Weihnachten und ich koste es jedes Jahr aus, dieses Jahr hatten wir so viele weihnachtliche Arrangements und Zusammenkünfte wie noch nie, aber wenn die Feiertage vorüber sind, möchte ich mit Neujahr auch einen Neubeginn. Wenn es nach mir ginge, würden jetzt bald die Temperaturen steigen und die Krokusse und Tulpen aufblühen. Mein in solchen Dingen sehr am Boden der Tatsachen lebender Mann hat dazu gemeint, es sei noch nicht einmal Dreikönig und jetzt finge die gemütliche Winterzeit doch erst an. Bald würde endlich mehr Schnee kommen, die Temperaturen so richtig fallen, wie es sich für Jänner gehört, und man könne draußen bei klirrender Kälte und Wintersonnenschein warm eingepackt, vielleicht sogar abends an der Feuerschale auf der Terrasse, oder in Ruhe vor dem prasselnden Kaminfeuer, den richtigen Winter genießen. Ich schaudere bei diesem Gedanken eher und denke an mindestens zwei weitere kalte, nasse und graue Monaten, und keiner kerzen- und glühweingeschwängerten Adventzeit mit Aussicht auf Weihnachten, an die man sich halten kann. So gibt es nur die Aussicht auf den Frühling, so weit weg er noch sein mag.

Ich bin keine Skifahrerin, aber das einzige was mich jetzt noch am Winter reizen könnte, wäre ihn in einem, natürlich gut ausgestattetem, Chalet in den vorzugsweise italienischen oder französischen Alpen, umgeben von nichts außer Schnee und ein paar Wildtieren, zu verbringen. Nachdem das leider nicht möglich ist, muss das Chalet zu uns nach Hause kommen, in Form von ein bisschen Holz, Kerzenlicht und Eislaufschuhen. Die beiden Krokusse aus Porzellan, die schon einen Hauch von Frühling verbreiten, mussten trotzdem einfach sein.




Der Dreikönigstag stand, wie jedes Jahr, im Zeichen der marokkanische Küche. Die drei Weisen aus dem Morgenland verleiten uns immer wieder dazu, uns an unsere Hochzeitsreise zu den Königsstädten und der "weißen Stadt" Essaouira, zu erinnern, die Tajine von den Küchenkästen und das marokkanische Kochbuch aus dem Bücherregal zu holen. Es ergab sich nun auch schon zum dritten Mal in Folge, dass wir am 6. Jänner die gleichen Freunde zum Essen einluden, und ich denke bei drei Mal kann man jetzt schon von einer Tradition sprechen, ebenso was die Suppe betrifft, die jedes Jahr Chorba B'Khizou Bil Kseksou, Karottensuppe mit Gewürzen, nämlich einer meiner Lieblingskombinationen Kurkuma, Ingwer, Zimt, Paprikapulver, Cayennepfeffer und vor allem Kreuzkümmel, war - ein Klassiker, den man meiner Meinung nach nicht wechseln muss.




Nach Rindfleischtajine mit Äpfeln und Rosinen im letzten Jahr, gab es heuer eine Lammtajine mit Datteln, Zitronen und Mandeln, dazu Cous Cous. Vor allem Zitronen und Mandeln lassen bei mir sofort jegliche Düsterkeit des Winters verfliegen und versetzen mich geschmacklich in sommerlich warme, herrlich duftende Gefilde, es hätte also kein besseres Gericht an solch einem Tag geben können. Durch die Kombination von zartem Lammfleisch und den süßen Datteln erinnerte mich der Saft der Tajine sogar ein wenig an zerlassene Schokolade, die bei grauem Wetter ja schließlich auch die Seele streichelt.




Das Dessert war vielleicht nicht typisch marokkanisch, die saftigen kleinen Orangenkuchen aus der Muffinform passten aber perfekt in das Ensemble. Auch wenn Orangen für mich zum Winter gehören, denkt man doch, wie bei den Zitronen, gleich an die heißen, südlichen Länder, in denen sie wachsen und an den wundervollen Geruch der Blüten der Bäume im Frühling. Mit Salzkaramell, von dem wir noch etwas von Weihnachten übrig hatten, besprenkelt, bekamen die Küchlein zum Schluss noch eine französische Note.





Donnerstag, 5. Januar 2017

Grüne Weihnachten

Etwa eine Woche vor Weihnachten trafen wir Freunde zu einem Spaziergang, um uns und die Kinder "auszulüften". Wir sprachen darüber, dass die Wetterexperten diesmal weiße Weihnachten für nicht ganz unwahrscheinlich hielten, im Gegensatz zum vorigen Jahr, in dem es rund um den 24. Dezember achtzehn Grad hatte. Nun, es blieb kalt, ich hatte Hoffnung bis zuletzt, aber kein Schnee kam.

Egal wie die Wetterlage draußen sein mag, in unserem Haus gibt es, dank meiner sicher bekannten Vorliebe für alle Schattierungen dieser Farbe, fast immer grüne Weihnachten. Kleinen Kindern wird nachgesagt, auf kräftige, satte Farben zu reagieren, also entschieden wir uns, Philipp zuliebe, für einen Christbaum in Rot. Nun zählte rot noch nie zu meinen bevorzugten Farben und ich war mir nicht einmal sicher, wie und wann eine rote Christbaumdekoration überhaupt je in meinen Besitz gekommen war. Ich vermute, dass sie noch von meiner Mutter stammt und auch meine Großmutter, deren Lieblingsfarbe rot (und violett) ist, damals vielleicht ihren Einfluss geltend gemacht hat - ein "ordentlicher" Christbaum ist rot!

Nun war ich also zähneknirschend unterwegs, unsere "rote Kollektion" eventuell mit etwas Neuem, ein wenig weniger Klassischem, etwa so wie der London Bus oder der Beefeater, die ich schon vor Jahren als Christbaumanhänger der Sammlung zugeführt habe, zu erweitern - ohne Erfolg. Lauter langweilige Kugeln in knalligem Rot, mein Albtraum! Ich gab auf und sah mich nach weihnachtlichem Geschenkpapier um, und da war die Inspiration - Papier in einem eleganten, dunklem Rot, gepaart mit einem satten Mint! Mint! Natürlich! Wie könnte es anders sein! So wurde unser Weihnachtsbaum rot für Philipp und die Großmutter, und dunkles Mint für mich.

Bei der Weihnachtstafel hatte ich nie an rot gedacht. Ich besitze auch wirklich keine roten Teller oder Tischaccessoires, nicht einmal rote Kerzen. Es gibt ein kleines rotes Schwedenhaus, das die Tage bis Weihnachten herunterzählt, am Fenster und der ebenfalls schwedische Julbock hat ein rotes Band an seinem Schweif, aber das war es auch schon. Dafür finden sich in meinen Vitrinen jede Menge Porzellan, Glas und Keramik in Grüntönen, neuerdings sehr viel in, oh Wunder, mint.




Endlich kamen meine heißgeliebten Fundstücke, Suppenteller mit mintfarbenem Rand und Blumenranken, dort wo die Suppe eingegossen wird, aus dem Trödelladen in Quillan im Languedoc zu Pfingsten, und Speiseteller mit ähnlichem Rand und Monogramm aus L'Isle sur la Sorgue im Sommer, gemeinsam zum Einsatz. Sowohl meine Schwiegermutter, die in Sachen Tischdekoration, feinem Porzellan, poliertem Silberbesteck und Stoffservietten in der richtigen Stärke ohnehin die Königin ist, als auch meine Großmutter, die glaubte, es handle sich um ein zusammengehöriges Set und sich wirklich an die alten Goldrandteller erinnert fühlte, fanden lobende Worte, die wohl auch gefallen wären, hätte ich nicht auf die Herkunft der Teller hingewiesen und ihre Geschichte detailliert allen erzählt, die es und auch jenen, die es nicht interessierte ...

Auf der Menükarte stand als erstes Parmesansuppe nach Art von L'Ami Jean aus Mimi Thorissons Buch "Das beste aus meiner französische Küche", die laut Michael beim Verkosten nur nach Obers, am Tisch aber dann über die Croutons, Schalotten, den Schnittlauch und den Speck gegossen, ganz fabelhaft schmeckte.



Der Hauptgang bestand, alle Jahre wieder, aus Wild. Letztes Jahr, als es zu Weihnachten Hirsch gegeben hat, haben wir uns vorgenommen, im nächsten Jahr nicht nur zu Weihnachten Wild zu essen, sondern sehr viel öfter. Das haben wir heuer auch getan, und trotzdem war das weihnachtliche Reh am 24. Dezember etwas ganz besonderes, wie es butterzart auf der Zunge zerging. Dazu gab es karamellisierte Äpfel mit Walnüsse und selbstgemachte Gnocchi in Salbeibutter.


Das Dessert hatten wir uns wieder aus dem Repertoire von Mimi Thorisson geliehen. Weil bei der Vanillecreme mit salzigem Butterkaramell nur die Eidotter gebraucht wurden, habe ich aus dem Eiklar noch schnell eine Schokolademeringue als Kleinigkeit zur Creme gebacken. Ein salzig-süßer Abschluss für ein gelungenes Weihnachtsmenü, wir haben es alle bedauert, als es vorbei war ...