Freitag, 6. Januar 2017

Dreikönig und ein Liebäugeln mit dem Frühling

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber wenn Weihnachten vorbei ist, ist mir immer danach, sofort die gesamte Weihnachtsdekoration wegzuräumen und den Frühling in unser Haus einziehen zu lassen. Ich liebe Weihnachten und ich koste es jedes Jahr aus, dieses Jahr hatten wir so viele weihnachtliche Arrangements und Zusammenkünfte wie noch nie, aber wenn die Feiertage vorüber sind, möchte ich mit Neujahr auch einen Neubeginn. Wenn es nach mir ginge, würden jetzt bald die Temperaturen steigen und die Krokusse und Tulpen aufblühen. Mein in solchen Dingen sehr am Boden der Tatsachen lebender Mann hat dazu gemeint, es sei noch nicht einmal Dreikönig und jetzt finge die gemütliche Winterzeit doch erst an. Bald würde endlich mehr Schnee kommen, die Temperaturen so richtig fallen, wie es sich für Jänner gehört, und man könne draußen bei klirrender Kälte und Wintersonnenschein warm eingepackt, vielleicht sogar abends an der Feuerschale auf der Terrasse, oder in Ruhe vor dem prasselnden Kaminfeuer, den richtigen Winter genießen. Ich schaudere bei diesem Gedanken eher und denke an mindestens zwei weitere kalte, nasse und graue Monaten, und keiner kerzen- und glühweingeschwängerten Adventzeit mit Aussicht auf Weihnachten, an die man sich halten kann. So gibt es nur die Aussicht auf den Frühling, so weit weg er noch sein mag.

Ich bin keine Skifahrerin, aber das einzige was mich jetzt noch am Winter reizen könnte, wäre ihn in einem, natürlich gut ausgestattetem, Chalet in den vorzugsweise italienischen oder französischen Alpen, umgeben von nichts außer Schnee und ein paar Wildtieren, zu verbringen. Nachdem das leider nicht möglich ist, muss das Chalet zu uns nach Hause kommen, in Form von ein bisschen Holz, Kerzenlicht und Eislaufschuhen. Die beiden Krokusse aus Porzellan, die schon einen Hauch von Frühling verbreiten, mussten trotzdem einfach sein.




Der Dreikönigstag stand, wie jedes Jahr, im Zeichen der marokkanische Küche. Die drei Weisen aus dem Morgenland verleiten uns immer wieder dazu, uns an unsere Hochzeitsreise zu den Königsstädten und der "weißen Stadt" Essaouira, zu erinnern, die Tajine von den Küchenkästen und das marokkanische Kochbuch aus dem Bücherregal zu holen. Es ergab sich nun auch schon zum dritten Mal in Folge, dass wir am 6. Jänner die gleichen Freunde zum Essen einluden, und ich denke bei drei Mal kann man jetzt schon von einer Tradition sprechen, ebenso was die Suppe betrifft, die jedes Jahr Chorba B'Khizou Bil Kseksou, Karottensuppe mit Gewürzen, nämlich einer meiner Lieblingskombinationen Kurkuma, Ingwer, Zimt, Paprikapulver, Cayennepfeffer und vor allem Kreuzkümmel, war - ein Klassiker, den man meiner Meinung nach nicht wechseln muss.




Nach Rindfleischtajine mit Äpfeln und Rosinen im letzten Jahr, gab es heuer eine Lammtajine mit Datteln, Zitronen und Mandeln, dazu Cous Cous. Vor allem Zitronen und Mandeln lassen bei mir sofort jegliche Düsterkeit des Winters verfliegen und versetzen mich geschmacklich in sommerlich warme, herrlich duftende Gefilde, es hätte also kein besseres Gericht an solch einem Tag geben können. Durch die Kombination von zartem Lammfleisch und den süßen Datteln erinnerte mich der Saft der Tajine sogar ein wenig an zerlassene Schokolade, die bei grauem Wetter ja schließlich auch die Seele streichelt.




Das Dessert war vielleicht nicht typisch marokkanisch, die saftigen kleinen Orangenkuchen aus der Muffinform passten aber perfekt in das Ensemble. Auch wenn Orangen für mich zum Winter gehören, denkt man doch, wie bei den Zitronen, gleich an die heißen, südlichen Länder, in denen sie wachsen und an den wundervollen Geruch der Blüten der Bäume im Frühling. Mit Salzkaramell, von dem wir noch etwas von Weihnachten übrig hatten, besprenkelt, bekamen die Küchlein zum Schluss noch eine französische Note.





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