Donnerstag, 5. Januar 2017

Grüne Weihnachten

Etwa eine Woche vor Weihnachten trafen wir Freunde zu einem Spaziergang, um uns und die Kinder "auszulüften". Wir sprachen darüber, dass die Wetterexperten diesmal weiße Weihnachten für nicht ganz unwahrscheinlich hielten, im Gegensatz zum vorigen Jahr, in dem es rund um den 24. Dezember achtzehn Grad hatte. Nun, es blieb kalt, ich hatte Hoffnung bis zuletzt, aber kein Schnee kam.

Egal wie die Wetterlage draußen sein mag, in unserem Haus gibt es, dank meiner sicher bekannten Vorliebe für alle Schattierungen dieser Farbe, fast immer grüne Weihnachten. Kleinen Kindern wird nachgesagt, auf kräftige, satte Farben zu reagieren, also entschieden wir uns, Philipp zuliebe, für einen Christbaum in Rot. Nun zählte rot noch nie zu meinen bevorzugten Farben und ich war mir nicht einmal sicher, wie und wann eine rote Christbaumdekoration überhaupt je in meinen Besitz gekommen war. Ich vermute, dass sie noch von meiner Mutter stammt und auch meine Großmutter, deren Lieblingsfarbe rot (und violett) ist, damals vielleicht ihren Einfluss geltend gemacht hat - ein "ordentlicher" Christbaum ist rot!

Nun war ich also zähneknirschend unterwegs, unsere "rote Kollektion" eventuell mit etwas Neuem, ein wenig weniger Klassischem, etwa so wie der London Bus oder der Beefeater, die ich schon vor Jahren als Christbaumanhänger der Sammlung zugeführt habe, zu erweitern - ohne Erfolg. Lauter langweilige Kugeln in knalligem Rot, mein Albtraum! Ich gab auf und sah mich nach weihnachtlichem Geschenkpapier um, und da war die Inspiration - Papier in einem eleganten, dunklem Rot, gepaart mit einem satten Mint! Mint! Natürlich! Wie könnte es anders sein! So wurde unser Weihnachtsbaum rot für Philipp und die Großmutter, und dunkles Mint für mich.

Bei der Weihnachtstafel hatte ich nie an rot gedacht. Ich besitze auch wirklich keine roten Teller oder Tischaccessoires, nicht einmal rote Kerzen. Es gibt ein kleines rotes Schwedenhaus, das die Tage bis Weihnachten herunterzählt, am Fenster und der ebenfalls schwedische Julbock hat ein rotes Band an seinem Schweif, aber das war es auch schon. Dafür finden sich in meinen Vitrinen jede Menge Porzellan, Glas und Keramik in Grüntönen, neuerdings sehr viel in, oh Wunder, mint.




Endlich kamen meine heißgeliebten Fundstücke, Suppenteller mit mintfarbenem Rand und Blumenranken, dort wo die Suppe eingegossen wird, aus dem Trödelladen in Quillan im Languedoc zu Pfingsten, und Speiseteller mit ähnlichem Rand und Monogramm aus L'Isle sur la Sorgue im Sommer, gemeinsam zum Einsatz. Sowohl meine Schwiegermutter, die in Sachen Tischdekoration, feinem Porzellan, poliertem Silberbesteck und Stoffservietten in der richtigen Stärke ohnehin die Königin ist, als auch meine Großmutter, die glaubte, es handle sich um ein zusammengehöriges Set und sich wirklich an die alten Goldrandteller erinnert fühlte, fanden lobende Worte, die wohl auch gefallen wären, hätte ich nicht auf die Herkunft der Teller hingewiesen und ihre Geschichte detailliert allen erzählt, die es und auch jenen, die es nicht interessierte ...

Auf der Menükarte stand als erstes Parmesansuppe nach Art von L'Ami Jean aus Mimi Thorissons Buch "Das beste aus meiner französische Küche", die laut Michael beim Verkosten nur nach Obers, am Tisch aber dann über die Croutons, Schalotten, den Schnittlauch und den Speck gegossen, ganz fabelhaft schmeckte.



Der Hauptgang bestand, alle Jahre wieder, aus Wild. Letztes Jahr, als es zu Weihnachten Hirsch gegeben hat, haben wir uns vorgenommen, im nächsten Jahr nicht nur zu Weihnachten Wild zu essen, sondern sehr viel öfter. Das haben wir heuer auch getan, und trotzdem war das weihnachtliche Reh am 24. Dezember etwas ganz besonderes, wie es butterzart auf der Zunge zerging. Dazu gab es karamellisierte Äpfel mit Walnüsse und selbstgemachte Gnocchi in Salbeibutter.


Das Dessert hatten wir uns wieder aus dem Repertoire von Mimi Thorisson geliehen. Weil bei der Vanillecreme mit salzigem Butterkaramell nur die Eidotter gebraucht wurden, habe ich aus dem Eiklar noch schnell eine Schokolademeringue als Kleinigkeit zur Creme gebacken. Ein salzig-süßer Abschluss für ein gelungenes Weihnachtsmenü, wir haben es alle bedauert, als es vorbei war ...




Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen