Freitag, 10. Februar 2017

Das Warten auf den Frühling ist zartrosa

Während ich mich in den vorangegangen Jahren drinnen mit hellgrün oder mint über die grauen Monate Jänner und Februar draußen hinweggetröstet habe, bemerke ich heuer wie es mich zu zarten Rosatönen hinzieht. Gut, es gab eine Zeit, da war ich etwa sieben Jahre alt, da war mein Leben, ganz nach Edith Piaf, durch und durch rosa, von der rosa Cordsamthose (ja, die waren in den Achtziger Jahren in Mode ...), über den rosa Pullover und die rosa Haarspange bishin zum rosa Campingwagen meiner, ein rosa Kleid tragenden, Barbie. Das legte sich rasch wieder und wurde von dunkelblauen Levis 501 (ja, die trug man in den Neunzigern), dunkelblauen T-Shirts und dunkelblauen DocMartens (keine Ahnung, ob man die noch trägt) abgelöst. Das Geschirr in meiner ersten kleinen Wohnung war aus dunkelblauem Glas. Im Nachhinein schaudert mir, jedes Essen sah auf dunkelblauen Glastellern einfach ekelhaft aus und man wusste nicht, was in den Gläsern war, aus denen man trank, aber auch das war damals in Mode.

Dann, ich weiß nicht genau, was tatsächlich der Auslöser war, änderte sich erneut alles. Es war kurz nach den schrecklichen Ereignissen in New York zu 9/11, die ja alle erdenklichen Strömungen nach sich gezogen haben sollen, ich war Anfang zwanzig, hatte meinen ersten richtigen Freund und plötzlich wurde in unserer damals aller Lieblingsserie die zuvor verhasste Etepetete-Charlotte mit ihren Prinzessinnenkleidchen und der kleinen, weißen Wohnung voller mauvefarbener kleiner Blümchen zu meinem Lieblingscharakter. "Die fabelhafte Welt der Amelie", mit der zuckersüßen Audrey Tautou und all ihren kleinen Spinnereien, die ich nicht um die Burg im Kino hatte sehen wollen, wurde plötzlich mein absoluter Lieblingsfilm. Bei Ikea kaufte ich Bettwäsche mit Rosendruck, Pölster mit Rosen auf der einen und kleinen, rosaroten Pünktchen auf der anderen Seite und von dem Geld, dass ich neben dem Studium verdiente, erstand ich zwei geblümte Laura Ashley-Nackenrollen, die günstigsten Stücke in der damals unerschwinglichen Kollektion. Die Wände meines Zimmers strich ich ein helles Himbeer. Rosa war definitiv zurück!






Aber auch diese Phase ging vorbei. Bald kam Grün in allen Varianten und ging nie wieder. Aber nun ist rosa wieder da. Vielleicht liegt es daran, dass ich einen Sohn habe, für den ich natürlich Dinge in blau, türkis, grün oder grau kaufe. Das sind herrliche Farben und eigentlich sind sie mir auch wesentlich lieber als rosa, in diesem Sinne ist es also gut, dass wir keine Tochter haben, aber irgendwo dürfte mir bei all diesen Burschen im Haus - sogar die Katze ist männlich - ein Hauch rosa fehlen. Beim Altwarentandler meines Vertrauens habe ich mich erwischt wie ich einen rosa, geblümt oder nicht, Teller nach dem anderen nach Hause bringe. Dann entdeckte ich im Blumengeschäft Tulpen! Normalerweise kaufe ich nur weiße Tulpen, das sind meine Lieblinge, aber diesmal sah ich Tulpen in einem zarten Puderton, eine Farbe wie die von seidenen Ballerinaschuhen. Wunderschön!

Die mussten nun passend arrangiert werden und nachdem rosafarbene Dekoration, abgesehen von ein paar alten Kaffeekannen oder Zuckerdosen, von denen einige noch von meiner Mutter sind, bei uns Mangelware ist, bekam ich wieder einmal Gelegenheit, etwas zu basteln, was ich ohnehin schon viel zu lange nicht mehr getan habe.



Eine alte Obstkiste, ich glaube, es waren im Sommer Erdbeeren drin, wartete schon genauso lang auf ihren Einsatz wie die Liederhefte, die mir meine Großmutter vom Aussortieren ihrer Wandschränke mitgebracht hatte, auf ihren Einsatz. Die Obstkiste wurde mit rosa Kreidefarbe gestrichen, gerade so, dass die Holzmaserung noch ein wenig durchscheint, und das Notenbuch, meine Oma möge es mir verzeihe, auseinandergenommen und in der Kiste aufgelegt. Die Tulpen übersiedelten in eine der rosa Kaffeekannen aus der Sammlung meiner Mutter und - fertig. Eine bessere Art, auf den hoffentlich schon herannahenden Frühling zu warten, als zartrosa, kann ich mir kaum vorstellen!





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